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der offizielle blog des year3k_projekts
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Jan 5th
Das Internet kann was. Das Internet bietet große Chancen. Aber es treibt bisweilen auch seltsame Blüten. Und mancher Trend wird schnell zum Selbstläufer. Wer Trends im Internet widerspricht, ist schnell out. Egal, wie dämlich dieser Trend ist. Einer dieser dämlichen Dinger ist der aktuelle Hype um Bettina Schausten wegen ihrer im Affekt erfolgten Antwort auf diese entwaffnende Frage des Bundespräsidenten, ob sie allen Ernstes von Freunden Rechnungen verlange nach Übernachtungen. Und Frau Schausten hat lediglich nicht schnell genug geschaltet, um zu durchschauen, dass es darum gar nicht geht. Immerhin ist sie nicht Ministerpräsidentin und ihre Freunde sind keine wohlhabenden Industriellen mit handfesten politischen Interessen. Und so hat sie sich zu einer knappen, unbedachten Antwort hinreißen lassen, ohne deren Inhalt in diesem Moment so recht zu bedenken.
Dass aber die Internetgemeinde sich jetzt so daran aufgeilt, dass Frau Schausten Geld für Übernachtungen nimmt, ist wirklich reichlich flach. Da kann man mal drüber schmunzeln - es klang ja wirklich etwas witzig. Aber das war's und damit ist das Thema ausgereizt.
Jaja, dieses Internet...

Jan 5th
Die FDP - in den letzten Jahrzehnten als Sinnbild der Lobbypolitik verkommen - nähert sich mit strammen Schritten ihrem Untergang. Und in ihrer derzeitigen Verfassung hat sie das auch verdient. Ehrlich gesagt freue ich mich, dass dem Wähler offenbar mehrheitlich endlich dämmert, dass sie von einer Bande korrupter Schmeichler nicht repräsentiert werden. Und wer gleich nach dem Wahlsieg dem Industriezweig mit den größten Parteispenden ein Steuergeschenk macht, kann sich von diesem Verdacht wirklich nicht mehr freimachen.
Und die FDP hat es übertrieben. Sehr sogar. Es ist nichts mehr übrig von ihrem ursprünglich sehr wertvollen politischen Standpunkt der Liberalität. Ein Standpunkt, der in unserer heutigen Politiklandschaft nicht mehr repräsentiert wird - es aber dringend nötig hätte. Andere Parteien - darunter die Piraten - machen sich einige liberale Standpunkte zu Eigen. Die eigentliche liberale Partei hingegen profiliert sich schlicht nur noch als neokapitalistischer Schreihals ohne Substanz, dessen einzige Existenzberechtigung noch die Vertretung hochrangiger Wirtschaftsinteressen ist. Und eben davon hat der Wähler - glücklicherweise - nun genug.
Das Personal, das aktuell diese Partei repräsentiert, passt dabei hervorragend ins Bild. In der ersten Reihe findet man Inkompetenz und Gespürlosigkeit wo man hinsieht. Eine deutsche Zeitung titelte jüngst über Döring - den neuen Generalsekretär nach dem Seitenschritt des einzig begabten Lindner - als liberalen Rohrkrepierer, nachdem dieser seinen Parteichef Rösler recht treffend als mehr oder weniger unfähig beschrieben hat. Was auch tief blicken lässt auf die Fähigkeiten Röslers, sich mit geeignetem Personal zu umgeben.
Bei aller Hähme über diese unsägliche Partei des Großkapitals wäre doch ihr Verschwinden eine mittlere Katastrophe für unsere politische Kultur. Vielmehr gibt es jetzt die Chance, dass vielleicht wirklich die liberalen Werte wieder Bestandteil der Ausrichtung und des Selbstverständnisses der Partei werden. Ich würde sie deswegen noch lange nicht wählen. Aber sie wären dann endlich wieder das, was sie zu sein vorgeben: die liberale Stimme im Regenbogen der deutschen Politik.
Ich rechne damit, dass Herrn Lindner dieses Kunststück gelingt, wenn er irgendwann in der Zukunft endlich Rösler beerbt. Wann die Partei allerdings schließlich dahinter kommt, wage ich kaum zu prognostizieren. Es könnte mit einem Bruch der Koalition zusammen hängen, in der die FDP jeden Tag ein bisschen schwächer wird. Falls sie allen Ernstes bis zur Wahl 2013 ausharren wollen, wird vermutlich von der FDP als solches bis dahin nichts mehr übrig sein. Die Partei hat daher jetzt die Wahl zwischen einer dringend nötigen Katharsis jetzt - und vermutlich dem Ende der aktuellen Bundesregierung - und dem Aussitzen dieser Legislaturperiode mit dem Ausblick auf ein Ende ihrer Existenz im Anschluss. Man darf gespannt sein!

Jan 4th
Es ist - kurz gesagt - entwürdigend. Alles, was dieser Tage so abgeht. In den Medien, in der Politik. Entwürdigend für das Amt des Bundespräsidenten, entwürdigend für Herrn Wulff selbst, entwürdigend für die Öffentlichkeit.
Nach dem Interview mit Herrn Wulff in ARD und ZDF habe ich mich eine Weile gefragt, was da geschehen ist. Dieser Mann hat mir nur noch leid getan. Nicht unbedingt wegen der Medienkampagne, mit der er sich konfrontiert sieht, sondern wegen seiner persönlichen Schwäche im Umgang mit der gesamten Situation. Eine Situation, in die er von A bis Z nicht hineinpasst. Aber das kann man ihm selbst alleine kaum vorwerfen. Ich fand es erstaunlich, wie leid Herr Wulff sich selbst getan hat in diesem Interview. Meine Reaktion schwankte von "Ich würde ihn gerne in den Arm nehmen" und "Meine Fresse, wenn er noch einen Satz mehr sagt, um sich als Opfer darzustellen, stirbt er alleine daran." bis hin zu "Noch eine Frage von Frau Schausten und Wulff fängt an zu weinen."... Ist das eines Bundespräsidenten würdig? Wie sähen Rau, Herzog oder Köhler an seiner Stelle aus? Ist das überhaupt vorstellbar?
Ich denke sogar, zu verstehen, wieso er sich so vehement an sein Amt klammert. Es passt nicht in sein Weltbild, in sein Selbstbild, jetzt auf dem Höhepunkt der Schmach, den Platz zu räumen. Das wäre die größtmögliche Niederlage. Das Gemeine daran ist, dass er diesen Kampf aber längst verloren hat. Und zwar nicht heute, nicht vor Wochen, sondern bei Amtsantritt. Und das war nicht seine Schuld, sondern die von Angela Merkel. Nicht jeder Mensch eignet sich als Bundespräsident. Das ist eine Tatsache, die selten so deutlich wurde, wie in den letzten Wochen. Wulff ist jemand, der sich sehr deutlich zu denen zählen lassen muss, die für dieses Amt nicht geeignet sind. Er ist deswegen kein schlechter Mensch. Er hat nur nicht das nötige Format. Diese Tatsache kann er selbst allerdings ebendarum nicht einschätzen. Frau Merkel als Bundeskanzlerin hätte das können müssen. Hätte Wulff bei Eintreffen des Angebots für das Amt damals gesagt, dass er sich diese immense Aufgabe nicht zutraut, hätte er ja das nötige charakterliche Format gehabt, was ihn dann widerum schon fast wieder dafür qualifiziert hätte. Jetzt rächt sich auf sehr öffentliche Weise, dass Merkel sich damals für einen Parteisoldaten als Galionsfigur entschieden hat, anstatt für eine Person von Format, Ansehen und Eignung für das höchste Staatsamt. Mehr als deutlich wird jetzt, dass Wulff niemals angedacht war, als Mahner zu fungieren, als Wegweiser oder Ideengeber. Er sollte stets nur Abnicken und Grüßen. Was er sicher sehr gut konnte. Nur dass das eben nicht alles ist, rächt sich jetzt.
Im Grunde ist Wulff wirklich ein Opfer. Ein Opfer der außerordentlich mächtigen Mühlen, die von allen Seiten an ihm drehen, nagen und reißen.
Sein Verhalten, seine Unfähigkeit zur ehrlichen Selbstreflexion und seine Unbedarftheit sind alles Zeugen seines Horizonts. Was nicht wertend gemeint ist. Ich kann die Qualität seiner Arbeit als Ministerpräsident nicht einschätzen. Dass er diese Position erreicht hat, ist schon beachtlich genug. Aber es hätte dabei bleiben sollen.
Wie sollte jetzt die Zukunft aussehen? Die Bundeskanzlerin sollte schnellstmöglich einen Weg finden, Wulff eine Türe zu öffnen. Eine Türe, die ihm einen Abgang ermöglicht, mit dem er trotz alledem sein Gesicht wahren kann. Was bei der aktuellen Medienschelte allerdings wohl kaum noch möglich ist. Es ist unbestritten, dass Wulff für sein Amt vollkommen ungeeignet ist. Und es gilt nach wie vor, dass jeder weitere Tag, den er es ausführt, ihm und dem Amt schadet. Er kann nicht mehr gewinnen. Und die Tatsache, dass er das nicht sieht oder nicht sehen will, beweist dies einmal mehr. Es ist jetzt - auch im Interesse des deutschen Volkes und der deutschen Politik - höchste Zeit, dass ihm jemand eine unterstützende Hand reicht beim Ausstieg aus dem Zug, den er nicht mehr steuern kann, nie steuern konnte, ehe er vollends entgleist. Und das kann wahrlich in niemandes Interesse sein.
Der Ball liegt einmal mehr in Merkels Feld - auch wenn Frau Merkel mal wieder Pause zu machen scheint. Und sie täte gut daran, bei Gedanken über einen neuen Kandidaten auf Protektion zu verzichten. Herrn Wulff hat sie verheizt - und er hat sich verheizen lassen.

Jan 3rd
Es ist schon ein seltsames Schauspiel. Das Land, das sich weltweit immer so lauthals und oft schreiend ungefragt als moralisch-mahnende Instanz von Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit profiliert, bietet gerade eben jener Welt einen bizarren Beweis seiner inneren Widerlichkeit.
Da begeht die eigene Armee auf einem Feldzug, der nebenbei nach außen hin getarnt war als Verteidigungsmaßnahme, ein ungeheuerliches Kriegsverbrechen. Eines, dessen Beweis noch heute durchs Internet geistert, völlig egal, wie sorgfältig dieses Land versucht, diese Beweise aus dem Netz zu tilgen. Den Beweis zu sichten ist dermaßen abscheulich, dass ich nach einiger Zeit abbrechen musste. Publik geworden ist dieser Beweis, und somit der gesamte Vorfall - der eigentlich laut Plan der Verantwortlichen dieses Landes bis ans Ende aller Zeit totgeschwiegen werden sollte - durch einen tapferen, selbstlosen jungen Mann, der den Streitkräften jenes Landes angehört hatte. Er war so mutig und selbstlos - wohl wissend, welche Konsequenzen ihm wohl drohen würden - diesen Beweis mittels Wikileaks der Öffentlichkeit zuzuspielen.
Was macht aber das beschuldigte Land? Es verurteilt den jungen Mann wegen Hochverrats. Kriegsverbrechen begangen? Kein Thema. Angriffskrieg um Rohstoffe geführt nach einem selbst fingierten, als Rechtfertigung dienenden Terroranschlag? Nicht wichtig. Journalisten und Kinder niedergemetzelt und dabei gelacht? Unerheblich. Dabei erwischt worden? Hochverrat.
Na, herzlichen Glückwunsch.
Hillary Clinton sagte vor einigen Monaten einen sehr denkwürdigen Satz. Sie wolle nicht länger Außenministerin dieses Landes sein. Zumal sie als solche ohnehin keinerlei Einfluss habe auf die Außenpolitik oder irgendwelche Entscheidungen, die damit zu tun haben. Die träfen sowieso ganz Andere. Eine bemerkenswerte Aussage. Dass sie sich aber noch immer als Gallionsfigur des Öl-Syndikats und des amerikanischen Geldadels hergibt, macht es nicht besser. Dieses Land und auch der Rest der Welt bräuchten dringend noch einmal einen so mutigen Politiker wie J.F. Kennedy, der ja seinen Mut und seine Bereitschaft, zu eben jenem System im Hintergrund auf Konfrontationskurs zu gehen, nicht überlebt hat.
An dieser Stelle ist es Zeit, den Rammstein-Hit auszupacken... America, Ameeerica

Jan 2nd
Ich greife mal die Headline einer bekannten Zeitung auf. Ich hätte auch titeln können "Das war's, Herr Wulff" - jede der Schlagzeilen der letzten Stunden sind genügend aussagekräftig.
Anfangs war ich wirklich nicht ganz sicher, was ich von dieser ganzen Sache halten sollte. Unbestritten ist natürlich, dass an einen Bundespräsidenten besondere moralische Ansprüche gestellt werden. Bei weitem nicht jeder Mensch - nicht jede Persönlichkeit - eignet sich für dieses Amt.
Abgesehen davon, dass ich Wulff von Anfang an als schreckliche Fehlbesetzung gesehen habe, konnte ich aber nicht viel mehr an ihm aussetzen, als dass ich ihn schlicht für farb- und ideenlos sowie untauglich hielt, als Vorbild und Geber für wirklich wichtige und treffende soziale wie politische Denkanstöße zu dienen. Wulff wirkte von Anfang an auf mich protokollarisch fleißig und gänzlich profillos. Niemals hätte er ein Gesetz kritisch hinterfragt, das die Kanzlerin ihm zur Unterschrift vorlegt. Niemals hätte er kritische Töne gewählt gegenüber Merkel. Er sollte von Anfang an schlicht funktionieren.
Diese protokollarische Funktionalität (und mehr war es nie) beruhte dabei zu großen Teilen auf seinem Image als Saubermann.
Wulffs Gebaren aber in den letzten Wochen und sein ganzer Umgang mit sich selbst und mit der Öffentlichkeit grenzt an Geisteskrankheit.
Man darf sich das auf der Zunge zergehen lassen. Ein Ministerpräsident sagt auf explizite Nachfrage nur die halbe Wahrheit. Er verschweigt ganz bewusst einen Teil, der durchaus in die Antwort gehört hätte - unter "anständigen" Menschen (Tja, CDU halt). Später wird er Bundespräsident. Spätestens hier hätte es ihm vielleicht mal dämmern können, dass dies der letzte ein ganz geeigneter Zeitpunkt wäre, mit dieser schmierigen Geschichte aufzuräumen. Diese Chance hat er versäumt. Nebenbei bekommt er nach der durch ihn unterstützten Rettung von Porsche "als Dank" von der BW-Bank einen Kredit zu wahnwitzigen Konditionen. In einem Forum hab ich heute die Meinung eines Lesers gesehen, der allen Ernstes meinte, manche Menschen hätten nun einmal eine bessere Bonität als andere und könnten aus diesem Grund eben bessere Bedingungen erhandeln. Das ist gleichermaßen richtig, wie himmelschreiend widerwärtig - führt aber an dieser Stelle vom Thema weg und sollte mal gesondert behandelt werden.
All dies ist für Herrn Wulff keineswegs unrechte Handlung oder unbillig oder dergleichen. Er ärgert sich heute nicht darüber, was er getan hat, dass er sich unlautere Vorteile erschlichen hat oder dass er seinen Landtag bewusst mit einer dreisten Halbwahrheit abgespeist hat. Er sieht sich sogar tatsächlich noch im Recht mit seiner Begründung, dass er schließlich nicht explizit nach einem Geschäftsverhältnis mit Frau Geerkens gefragt worden sei, sondern lediglich nach einem zu Herrn Geerkens. Und das meint dieser Mann so. Schon hier hat er in seiner Rolle als moralisches Vorbild dieses Landes komplett verspielt. Was will diese Bundesrepublik mit einem dermaßen durchtriebenen und gleichzeitig so fürchterlich kurzsichtigen Trickser als Bundespräsident?
Aber es kommt ja sogar noch besser. Erst wird bekannt, dass der Kredit bei der BW-Bank nun plötzlich zu neuen Konditionen läuft - "normalen" Konditionen, kann man sagen. Konditionen, die Herrn Wulff etwa 250.000 Euro kosten. Geld, dass er andernfalls als Vorteil gegenüber "normalen" Kunden (mit weniger ausgeprägter Bonität) hätte behalten können. Der feine Herr biegt im Hintergrund die Dinge etwas um, offenbar in dem Glauben, seine Angriffsfläche zu reduzieren. Nachträglich. Weil er erwischt wurde. Er trickst abermals. Und er fühlt sich auch hier tatsächlich abermals im Recht. Unglaublich.
Und die Krönung des Ganzen ist jetzt, dass Herr Wulff ganz offenbar am Vorabend des ersten Berichts in der deutschen Propaganda-Zeitung Bild eben dort angerufen hat, mit der Absicht, diesen Bericht zu verhindern. Als Mittel dienten hier unter anderem Drohungen. Kriegsdrohungen. Gegen die Pressefreiheit. Man mag von der Axel-Springer-Kotze halten, was man will, aber das ist ein derart ungeheuerlicher Vorgang... ein Bundespräsident greift mutwillig und in voller Absicht in die Pressefreiheit ein. Und auch hier fühlt er sich wohl abermals im Recht und findet es obendrein äußerst lästig, dass diese Presse ihn auch hier überführt hat und diese Öffentlichkeit nun immerzu den Kopf über ihn schüttelt.
Das Maß ist seit langer Zeit weit überschritten. Jeder weitere Tag, den Herr Wulff als Amtsträger des höchsten Staatsamtes vergehen lässt, macht ihn selbst ein Stückchen lächerlicher und beschädigt das Amt, das er noch innehat, ein Stückchen mehr. Und das absolut Einzige, was seine öffentliche Reputation jetzt noch annähernd vor dem totalen Absturz bewahren könnte, wäre die Diagnose einer Geisteskrankheit. Eine, die nachweislich seine Wahrnehmung, seine Selbstwahrnehmung und seine moralische Urteilsfähigkeit nachhaltig beschädigt hat.
Aber Deutschland darf sich einen Mann nicht als Staatsoberhaupt leisten, der einerseits eine solch bizarre Vorstellung von Recht und Gerechtigkeit hat, dabei sowohl schäbig trickst und obendrein so schrecklich kurzsichtig ist und so ohne jegliches politisches Gespür. Herr Wulff ist in Gänze persönlich, charakterlich und moralisch ungeeignet für dieses Amt.
+++ UPDATE +++
Jetzt fällt mir gerade ein Zitat zu von einem Mitglied der Bundesversammlung, der Wulff damals seine Stimme gegeben hat: "Ehrlich gesagt schäme ich mich gerade, dass ich Herrn Wulff meine Stimme gegeben hab. In allen drei Wahlgängen."
Erkenntnis ist auch spät nicht schlecht. Echt doll, was Mutti euch so alles vorkaut, was, liebe CDUler?
...aber was lamentiere ich? Es ändert sich doch sicher wieder nichts.

Dez 23rd
Ich kann die Sache mit den Völkermorden nicht wirklich beurteilen. Dafür bin ich in Geschichte nicht ausreichend informiert. Dass jedes Land dieser Welt wohl eine teils mehr teils weniger heftige Vergangenheit hat, ist wohl unbestritten. Als Deutscher muss man ja hier besonders vorsichtig sein. Was die Vorfahren der heutigen "Amerikaner" mit den Ureinwohnern ihres Kontinents angestellt haben, interessiert interessanterweise heute niemanden mehr. Obwohl dies ein unbestrittener historischer Fakt ist. Und die Deportation und Ermordung des Großteils der armenischen Bevölkerung im damaligen osmanischen Reich ist ja wohl ebenfalls unbestritten. Wie man das ganze jetzt heute nennt, ist dann doch nur noch eine "Kleinigkeit".
Die Entscheidung, diesen Völkermord zu leugnen sei fortan in Frankreich strafbar, kommt mir als historischem Laien auf den ersten Blick schon unverständlich vor. Ebenso wie eben jenes Leugnen selbst. Wie hohl muss ein Mensch sein, um historische Ereignisse zu leugnen?! Das ganze Thema bewegt sich nahe an der Absurdität - schon immer.
Und was jetzt hier mal wieder mit der allergrößten politischen Witzfigur unserer Zeit abgeht (und nein, ich meine nicht den Mafiosi, der vor einigen Wochen glücklicherweise endlich sein Amt aufgegeben hat), übertrifft wirklich mal wieder alles. Erdogan entlarvt sich einmal mehr selbst als ein dermaßen verbohrter Vollidiot und beweist der gesamten, teils wirklich erstaunten Welt, ebenfalls einmal mehr, auf welchem Niveau er denkt, dass einem die Türken wirklich nur noch Leid tun könnten... wenn sie diesen aufgeblasenen, selbstherrlichen Spinner nicht gewählt hätten.
Erst diese Unglaublichkeit mit Isreal, die offene, unverhohlene Kriegsdrohung dieses Jahr. Und jetzt der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Frankreich wegen des Verbots, eine historische Tatsache in Abrede zu stellen. Und als Sahnehäubchen dann noch die Beleidigung von Sarkozys Vater. Sorry, aber Erdogan bedient hier mit akribischer Gründlichkeit wirklich alle Vorurteile gegenüber Türken, die man hierzulande lieber in der Gosse verschwinden sähe.
Ist das einfach unsere Art zu denken? Unsere Art, die Dinge zu sehen? Unterscheiden sich die Türken so dermaßen davon, dass wir einfach nicht in der Lage sind, sie zu vertehen? Ich bin in der Tat nicht dazu fähig. Ich finde Verhalten, Gebaren und Ausdrucksweise von Erdogan absurd bis grotesk. Und obendrein dummerweise auch sehr gefährlich.
Leider erfährt man in den Medien nichts darüber, wie die Konfrontation mit Zypern weiterging.
Und diese zwielichtige, schwerst machomäßige Bande aus Verbrechern will in die EU?
Ich plädiere einmal mehr für die Ablehnung dieser völlig absurden Bestrebung. Was wollen wir denn mit so einem Giftverspritzer?
Ich fände es nun an der Zeit für ein Zeichen der diplomatischen Solidarität zumindest Deutschlands mit Frankreich: Ende aller diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen zur Türkei. Denn das Geschrei Erdogans muss auch mal ein Ende haben. Und wenn diesem Spinner nicht mal endlich jemand ganz saftig auf die Fresse haut (in der Annahme, dass er nur seine eigene Sprache versteht), wird er's wohl nie kapieren.
+++UPDATE+++
"Die Türkei hat sich doch damals bei den Armeniern nur verteidigt. Immerhin haben die selbst ihre Gebiete von den 'Mohammedanern' gereinigt, um ihre Unabhängigkeitsbestrebungen glaubhafter durchsetzen zu können".
Ja meine Fresse, identifizieren sich die heutigen Türken etwa damit? Ist das hier entscheidend? Die Deutschen haben zig Millionen Juden umgebracht. Die Amerikaner haben unzählige Indianer ausgelöscht, die Spanier und Portugiesen haben die Mayas und Incas plattgemacht. Ich bin Deutscher. Ich hab keine Juden getötet.
... mein Gott, Kinder, kommt mal in der Gegenwart an. Habt IHR die Armenier massakriert? Persönlich? Wenn ihr in der selben Situation wärt, wie diejenigen, die das damals angerichtet haben, würdet ihr ebenso handeln? Würdet auch ihr massenhaft Armenier töten? (Gut, falls die Antwort hier "ja" lautet, ist ohnehin alles verloren).
Geschichte ist Geschichte. Dinge, die geschehen sind, sind geschehen. Dinge, die geschehen sind, zu leugnen, ist leider grenzwertig schwachsinnig. Aber das scheint ja in diesem Fall eine weit verbreitete Krankheit unter islamischen Diktatoren zu sein. ...oh, ups... sorry. Offiziell ist Erdogan ja Demokrat. ...
Also wer will sich hier noch in "Aber die haben angefangen"-Schwachsinn stellvertretend für die Vor-Vorfahren suhlen anstatt sich mal der Frage zu widmen, ob das bizarre Verhalten Erdogans gebührlich ist.
ZOMFG!™

Dez 14th
Eigentlich war ich inzwischen dazu übergegangen, die FDP nicht einmal mehr zu ignorieren - schließlich gab es im Grunde inzwischen auch keinen Anlass mehr dazu. Einzig die Tatsache, dass die Partei als solche noch in der Regierungsverantwortung im Bund involviert ist, zwingt uns nach wie vor dazu, hin und wieder mehr oder weniger fassungslos unsere Köpfe zu schütteln.
Ich breche heute mit der Tradition, einfach überhaupt nichts mehr zu dieser Bande zu sagen, weil heute etwas Interessantes geschehen ist.
Christian Lindner ist als Generalsekretär dieser sogenannten Partei zurückgetreten.
Diese Meldung an sich ist ebenso bemerkenswert wie schleierhaft. Sie bietet viele vordergründige und einige hintergründige Interpretationsmöglichkeiten. Auf den ersten Blick habe ich heute mehrfach die Meinung gelesen und gehört, er wolle mit diesem Schritt Schaden vom Parteivorsitzenden Philipp Rösler abwenden. Dies sei die Konsequenz, die er aus der völlig vergurkten Art und Weise ziehe, wie er mit Schäffler und dem Mitgliederentscheid umgegangen war (Rösler erklärt Mitgliederentscheid für gescheitert).
Hoch interessant allerdings waren dann seine knappen Worte zum Rücktritt, die er an die Öffentlichkeit gerichtet hat.
"Meine Erkenntnis hat für mich die Konsequenz, dass ich aus Respekt vor meiner Partei und vor meinem Engagement für die liberale Sache mein Amt niederlege." Und hier ist sehr viel Spielraum für Spekulationen. Ich wage einmal eine Deutung dieser Worte. Ich habe Herrn Lindner schon zu Beginn seiner Amtszeit als Generalsekretär als außerordentlich vielversprechenden Politiker empfunden. Meine latente Feindschaft zur FDP als Symbol des Neokapitalismus einmal außen vor gelassen. Und so hat es mich doch schon sehr gewundert, in welche Gesellschaft Herr Lindner in der letzten Zeit mehr und mehr geraten ist in der FDP. Wenn alles schief lief, war er - meiner subjektiven Meinung nach - stets einer der wenigen, die den Überblick behielten. Er hat von allen Schreihälsen um ihn herum den - ebenfalls meiner Meinung nach - größten Sachverstand und das mit weitem Abstand beste Gespür für das politische Geschäft. Etwas, das beispielsweise Rösler in Gänze fehlt.
Und so werte ich Lindners Rückzug jetzt als Selbstschutzmaßnahme. Ihm jetzt Feigheit vorzuwerfen, ist Quatsch. Immerhin hat er sich Wochen- und Monatelang trotz wirklich brachialer Unglaublichkeiten seiner Parteikollegen tapfer in die Dienste der FDP gestellt. Allerdings hat wohl auch Lindner in der letzten Zeit festgestellt, dass der Abwärtstrend mit dem gegenwärtigen Personal wohl nicht mehr umkehrbar ist. Das deutet er ja auch selbst an mit seinen Worten. Und als Mensch mit Überzeugung muss er jetzt sich selbst aus dieser Gruppe der politischen Versager um und einschließlich Rösler lösen, wenn er ernsthaft seine liberale politische Überzeugung auch in Zukunft so ambitioniert verwirklichen will. Dann muss Lindner jetzt mit ansehen, wie Rösler die FDP an den Rand der Vernichtung bringt. Ein Kurs, den auch Lindner nicht mehr aufhalten konnte - was ihm wohl jetzt jüngst selbst klar geworden ist.
Lindner wendet nicht Schaden ab von Rösler, er macht die Bahn frei und entblößt Rösler nun vollends.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir Herrn Lindner spätestens nach der nächsten Bundestagswahl wieder an der Front der FDP sehen werden - nachdem auch Rösler spektakulär gescheitert sein wird. Und erst dann hat die FDP vielleicht wieder die Chance auf eine Zukunft. Christian Lindner hat auf jeden Fall das Zeug, das es braucht.

Nov 3rd
Vor einiger Zeit im Zuge eines Umbaus meiner Seiten habe ich nach genauerer Überlegung einige Themengebiete aus diesem Blog hier ausgelagert, anstatt es um eben jene Themen zu erweitern. Ziel der Auslagerung und somit neues Projekt ist seither "Bens Journey". Allerdings gibt es nach wie vor teilweise große inhaltliche Schnittmengen, was es mir bisweilen nicht ganz leicht macht, zu entscheiden, auf welcher Seite ich meine neuesten Gedanken nun veröffentlichen möchte. Es gibt Beiträge, bei denen die Wahl eindeutig und nicht schwer ist - soll doch "no comment" sich tendentiell eher um allgemeine politische und gesellschaftliche Themen drehen (dass es sich auch weiterhin um meine brachial subjektive Meinung handelt, ist dabei klar) und "Bens Journey" eine sehr viel persönlichere Sichtweise darstellen. Da es aber durchaus Überschneidungen gibt hier und da, werde ich in Zukunft querverlinken und angefangen mit dem heutigen Beitrag hin und wieder eine kuze Zusammenfassung der letzten Beiträge des jeweils anderen Blogs liefern.
Für no-comment interessante Themen auf Bens Journey:
Zum Thema Gesellschaft und Hoffnung empfiehlt sich diese kleine Beobachtung:
Zum Thema Gesellschaft und Menschlichkeit im Angesicht der Katastrophe blieb mir hier die Sprache weg:
Etwas theoretisch nachgedacht über unsere Möglichkeiten, den besten Weg für uns selbst zu finden:
Zum Schluss noch eine aus einer sehr persönlichen Situation heraus gewonnene Erkenntnis mit Allgemeingültigkeit:

Okt 6th
Kurz nach dem Aufwachen heute morgen sah ich beim Blick auf die Uhrzeit die Meldung meines iPhones, dass sein Erfinder verstorben war. Und ich bin noch immer erstaunt, wie betroffen mich das macht. Seither versuche ich, mich sachlich dem Thema zu nähern.
Jobs war der CEO eines Technik-Konzerns. Und? Alle CEOs von allen Technikkonzernen sterben irgendwann.
Aber Jobs war viel mehr als das. Und auch wenn es irgendwie schon oft gesagt wurde, so richtig bewusst ist es mir erst jetzt: Jobs war wirklich ein außergewöhnlicher Visionär. Er hat ein Lebensgefühl erschaffen. Die Liebe zur Technik ist dem Menschen seit langem irgendwie zu Eigen - und Jobs hat es geschafft, diese Liebe mit einem feinen Sinn für Ästhetik zu beleben.
Nebenbei die Marke Apple zum zeitweise wertvollsten Unternehmen weltweit zu machen zeigt dabei, wie nah am Geist der Zeit er mit seiner Vision war und ist. Das muss man neidlos anerkennen.
Aber ich möchte eigentlich auch keine Loblieder auf Apple singen - dafür ist das Thema viel zu komplex. Hier geht es um den Menschen Steve Jobs. Und das ist auch der Grund, warum mich diese Meldung heute morgen so betroffen gemacht hat. Ich bin nicht bestürzt über den Tod des ehemaligen Apple CEO, sondern über den Tod des Menschen Steve Jobs. Irgendwie hat er es geschafft, nicht zuletzt mit seiner Weltsicht zu inspirieren. Und sein sichtbarer körperlicher Verfall der letzten Jahre war schon sehr ergreifend. Nun finde ich es einfach traurig, dass er seinen tapferen Kampf so früh beenden musste.
Er hat der Welt viel hinterlassen und ich bin mir absolut sicher, dass seine Rolle in der Geschichte unserer modernen Zivilisation eine weitaus bedeutendere ist, als wir heute in der Lage sind zu sehen.
Mein Mitgefühl gilt nun vor allem seiner Familie, die in der Berichterstattung scheinbar irgendwie vergessen wird.
Heute ist ein trauriger Tag - der erste mit dem Andenken an Steven Paul Jobs.
Ben
*UPDATE*
Und noch ein paar bemerkenswerte Links:
Steve Jobs' Rede vor den Stanford-Absolventen 2005
http://www.youtube.com/watch?v=UF8uR6Z6KLc
Steve Wozniak über Steve Jobs
http://www.youtube.com/watch?v=dK_XEGrzHUo

Sep 27th
Eigentlich sollte man sich einfach nur noch pikiert abwenden. Schließlich schaut man einem sterbenden nicht gerne bei den letzten Zuckungen zu. Aber was die FDP so insgesamt so alles abzieht, ist wirklich sowas von jenseits aller Vorstellungskraft, dass mir echt am laufenden Band nichts mehr einfällt.
Ein Satiriker meinte unlängst bezogen auf die FDP, man könne sie gar nicht mehr weiter karikieren. Ist es doch alles, was man von dieser sogenannten Partei liest und hört einfach viel krasser und wahnwitziger als jede Satire es zustande brächte.
Sei es der Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland (erster Lacher), der öffentlich dem Niveau einer Vorschulgruppe auf kognitiver Entdeckungsreise konstatiert er dürfe sagen, was er denke, wenn er denn denke (zweiter und dritter Lacher). Oder sei es der schwindelerregende Zick-Zack-Kurs in der EURO-Frage (Retten? Aufgeben? Insolvenz? Retten? Anti-Europa-Populismus? Pro-Europa-Bekenntnis?), oder eben auch jetzt die herrlich unglaubliche Analyse eines sogenannten hessischen FDP-Politikers, der souverän die Dummheit der Mehrheit der Wähler für die Misere seiner Partei verantwortlich macht. Wirklich, da fällt mir absolut nichts mehr zu ein. Wer vorher ohne Substanz und Realitätssinn durch den Schrei nach Steuersenkungen eine Bundestagswahl mit 14% gewinnt, sollte hier ganz vorsichtig sein.
Ich denke eher, dass eben jene genannte Dummheit (und ich würde es viel lieber vorübergehende Kurzsichtigkeit nennen) das Spiel verlassen hat und man jetzt sieht, was dann von der FDP übrig bleibt, wenn der Wähler mal darüber nachdenkt, was er wählt und sich nicht mehr vom brachial populistischen Geschrei von so jämmerlichen Luftpumpen wie Westerwelle oder Rösler verleiten lässt.
Also wenn die FDP weiter so gezielt und auch erstaunlich effizient am eigenen Untergang werkelt, werden wir uns bei der nächsten Bundestagswahl im November 2012(!) etwas verwirrt fragen, welche Farbe da zwischen den Grünen und den Piraten nochmal fehlte... und der Club "Sonstige" hat wieder ein Mitglied mehr.

Sep 27th
...oder auch der Enterprise Computer. "Wenn man einen neuen Termin erstellt, fragt das iPhone, an welche Email-Adresse die Bestätigung geschickt werden soll. Die private oder die geschäftliche". Man soll mit seinem Telefon regelrecht reden können. So skeptisch ich zunächst auch war gerade was die Usability von iOS (insbesondere 4.x und vorher) anbelangt, so finde ich die Idee des Assistant geradezu bahnbrechend. Und selbst wenn Apple so blöd ist und das iPhone4-Case-Design für das neue iPhone verwendet und iOS5 gerade optisch noch immer der Konkurrenz hinterherwankt, wird das neue Gerät einmal mehr ein echter Game-Changer - ähnlich wie das iPhone 1 damals. Die erste Revolution im Mobilfunkgeräte-Markt war der Schritt hin zum Touch-Display (das iPhone 1 hat damals vorgemacht, wie man das massentauglich macht). Das iPhone 5 (oder wie immer er heißen mag) wird die zweite Revolution bescheren mit seinem Voice Assistant inklusive Wolfram Alpha. Ehrlich gesagt kann ich es schon gar nicht abwarten, mit meinem Telefon zu diskutieren.

Sep 22nd
Ich frage mich manchmal, ob es vielleicht schon immer so war und ich nur langsam mehr und mehr darauf stoße, oder ob sich wirklich etwas verändert - sich zuspitzt. Ich denke da als Vergleich an diesen typischen Satz "Die Jugend von heute ist auch nicht mehr das, was sie mal war". Sinngemäß so gesagt von Sokrates, Aristoteles und vielen weiteren berühmten Denkern quer durch die Menschheitsgeschichte*[1]. Damit will ich sagen, dass dieses heutzutage scheinbar so plötzlich aufgetretene Problem der entsetzlich respekt- und anstandslosen Jugend in Wirklichkeit wie ein roter Faden die Menschheitsgeschichte ziert.
Und eben jener Vergleich macht mich nachdenklich, wenn ich feststelle, dass unsere Gesellschaft Engagement und Mitdenken mehr und mehr tadelt und teils sogar bestraft. Ist das neu? Oder gab es das schon immer?
Ich habe mehrere Beispiele, die ich gerne vorstellen möchte.
Beispiel 1:
Person 1 ist Lehrerin. Eine gute Lehrerin. Ehemalige Schüler attestieren ihr die bewundernswerte Eigenschaft, stets eine Vertrauensperson zu sein, den gebotenen Respekt der Klasse zu genießen ohne dabei übertrieben streng sein zu müssen. Sie haben sich niemals unfair behandelt und immer ernst genommen gefühlt und haben es ihr im Gegenzug gedankt mit konstruktiver Unterrichtsatmosphäre. Andere Lehrer verschaffen sich entweder den nötigen Respekt mit übertriebener Härte und Strenge oder gehören zu der Sorte Lehrer, die längst aufgegeben haben. All jene Typen sind exemplarisch für eine Entwicklung. Der ideale Lehrer kommt hoch motiviert, voller Ideen und bestenfalls voller pädagogischem Idealismus an die Schule. Im Mühlwerk der Kräfte merken sie sogleich, dass sie ein sehr dickes Fell brauchen, um bestehen zu können. Person 1 stand recht schnell vor der deprimierenden Wahl, ihren Idealismus zu opfern für ein "leichteres" Leben im Scherwerk der Kräfte (der leichte Weg), oder aber für ihre Überzeugungen zu kämpfen, sich selbst treu zu bleiben und sich weiterhin trotz widrigster Umstände zu engagieren (der richtige Weg). Viele ihrer Kollegen wählten entweder den Weg des Stahlpanzers mit Bajonettaufsatz (übertriebene Härte und Strenge, ein Schrecken für die Schüler), um sich die wirklichen Probleme einfach auf genügend Distanz zu halten. Diese Lehrer sind natürlich als Vertrauenspersonen für Schüler kaum erreichbar. Oder sie wählten den Weg der Gleichgültigkeit. Eine andere Art, sich aus dem Geschehen zu lösen, indem man sich selbst seltsam entrückt. Und nur die Starken bleiben im Auge des Sturms. Stellen sich den Scherkräften zwischen Eltern ohne Verantwortungsbewusstsein, Politikern ohne Realitätsbewusstsein und Schülern auf der Suche nach sich selbst. Im konkreten Beispiel geht es heute allerdings um eine organisatorische Unglaublichkeit an der Schule, an der Person 1 arbeitet. Alle zwei Jahre wandert eine Klasse in einen neuen Klassenraum. Das beinhaltet, dass sie ihren alten Raum natürlich sauber und in Top-Zustand für ihre Nachfolger hinterlassen und dementsprechend erwarten können, dass der neue Raum in ähnlichem Zustand bezogen werden kann. Nun fehlte im zu hinterlassenden Raum von Person 1 bei einem Schrank eine Ablage, was den Zorn des Hausmeisters auf den Plan rief. Nicht nur, dass der Schaden aus der Klassenkasse bezahlt werden musste, nach Übergabe wurde auch der entsetzliche hygienische Zustand des Raumes bemängelt. Seltsamerweise haben ihre Schüler fast einen ganzen Vormittag kollektiv darauf verwendet sogar die letzten Winkel des Raumes inklusive letzter Nischen in den Schränken zu putzen. Als Mensch, der sich engagiert hat Person 1 sich dann tatsächlich nochmal daran begeben und persönlich nachgeholfen.
Der neue Raum hingegen war dann die Offenbarung der Entrückung des Systems. Denn hier fehlten bei Schränken nicht nur mehrere Böden, sondern auch gleich die Türen. Niemand hatte sich außerdem die Mühe gemacht, die Schränke von innen zu reinigen oder sich um Flecken an der Decke zu kümmern (Kinder auf Profil- und Grenzsuche mögen es, Kakaoflecken zu fabrizieren). Der lapidare Kommentar der Hausmeisterei war, dass es ja schon vorher so war und man nun auch nicht mehr nachvollziehen könne, wer das denn wohl gewesen sei. Damit war das Thema für das Facility Management durch. Die Kollegin, die den Raum so hinterlassen hatte, war auch reichlich distanziert zu dem ganzen Vorgehen und konnte sich auch mit dem Zustand des Raumes nicht so recht identifizieren. Was bleibt zurück? Eine Person 1, die nun dafür kämpfen muss, für ihre Klasse einen anständig gepflegten Raum zu erhalten, nachdem sie den letzten so einwandfrei zurückgelassen hatten (wofür es ja sogar noch Tadel gegeben hatte) und die Frage, warum zum Teufel man sich in diesem System überhaupt noch engagieren soll.
Wohin die Reise geht für die guten Lehrer, weiß ich noch zu gut aus meiner Schulzeit. Ich hatte einst einen wundervollen Deutschlehrer. Er hatte damals in der siebten Klasse in mir die Begeisterung geweckt, zu schreiben. Er war ein hochsensibler, herzensguter Mann. Er hat mich und einige andere Kinder inspiriert, die Leidenschaft für die Kreativität in uns ernst zu nehmen und zu leben. Leider war unsere Klasse zu dieser Zeit noch voll mit Kindern, deren Eltern nicht in der Lage waren, ihnen Grenzen, Anstand, Profil und somit ein Gefühl für sich selbst zu vermitteln. Solche Kinder sind leider außerordentlich anstrengende Menschen, zumal sie normalerweise nichts anderes im Kopf haben, als an jeder Ecke und bei jeder sich bietenden Möglichkeit ihre Grenzen zu suchen. Und dieser Lehrer war bei aller Güte leider kein Grenzensetzer und es dauerte nicht lange, bis unsere Klasse ihn zerstört hatte. Generell pflügte sich dieser Haufen aus Idioten durch das Lehrerkollegium. Fazit unserer Zeit damals waren drei Lehrer mit Hörsturz und zwei in psychiatrischer Behandlung. Besser erging es den Lehrern, die sich einfach nicht mehr kümmerten. An denen Kritik und Vorschläge einfach abprallten. Jene Lehrer, die ihren Idealismus längst aufgegeben hatten, weil ihre Kraft nicht ausgereicht hatte, sich gegen diesen fürchterlichen Druck zu stemmen. Engagement zahlt sich hier offenbar nicht aus.
Beispiel 2:
Person 2 - sie ist jung, Anfang 20, hat gerade ihre Ausbildung beendet und arbeitet bei einem Unternehmen für's Management. Hauptsächlich Abwicklung des Tagesgeschäfts. Ein Unternehmen, das sich seit Jahren am Rande der Insolvenz bewegt und von seinen Mitarbeitern gewaltige Opfer fordert. Kein Weihnachtsgeld, kein Urlaubsgeld, unbezahlte Überstunden, Verfall von Überstunden, gedeckelt bei einer lächerlich kleinen Anzahl. So arbeitet Person 2 jeden Tag in der Woche so viel länger, dass sie an jedem Tag eine offizielle Überstunde auf ihrem Konto hat und auch nachdem die Stempeluhr das Tagesende erreicht hat noch weitere 90 Minuten im Büro ist. 90 Minuten, die verloren sind. Für die sich niemand jemals wieder interessieren wird. Niemand dankt, niemand respektiert. Sie sagt, sie kann nicht früher gehen, weil sie ihre Arbeit sonst nicht schafft. Die Abteilung wird zusammengekürzt, Leute gehen... aber die Arbeit bleibt die gleiche. Und die Überstunden, die sie sammelt, verfallen am Ende des Monats. Abfeiern geht aber auch nicht, weil sonst Arbeit liegen bleibt...
Sie hat es einem anderen Menschen zu verdanken, mit dem sie einst viel teilte, dass sie nun auf einem nicht unerheblichen Berg Schulden sitzt. Nichts unmögliches, aber es schränkt sie doch für eine ganze Weile erheblich ein. Um weder Wohnung noch das kleine Auto aufgeben zu müssen, arbeitet sie noch nebenher. Völlig selbstverständlich fährt sie so nach 11 Stunden Büro (halb acht bis halb sieben) noch zu einem Geschäft, um dort für einige Stunden am Empfang zu arbeiten, bevor sie spät Abends ins Bett fällt und morgens um fünf schon wieder frühstückt. Und an den Wochenenden bedient sie in einem Club. Oft bis Sonnenaufgang. Viel Zeit zum Entspannen bleibt da nicht.
Bewundernswerter Weise bleibt sie sich treu. Sie engagiert sich. Sie lässt keine Arbeit liegen, auch wenn es mehr als ihr Recht wäre. Und ihre Arbeit macht sie gründlich. Wenn am Empfang noch mehr zu tun ist, bleibt sie auch mal länger, bis erledigt ist, was zu erledigen ist. Bis der Laden sauber ist. Sie macht nichts mit dem "halben Arsch". Letztens musste sie für ihre Firma unvorhergesehen in eine andere Stadt fahren nachmittags für ein Meeting. Auf eigene Kosten. Allerdings war sie Abends wieder am Empfang des Geschäftes eingeplant. Das Meeting zog sich... irgendwann wurde es wirklich brenzlig. Bei ihrem Versuch, es trotzdem noch rechtzeitig zu ihrem anderen Job zu schaffen, wurde sie schließlich geblitzt.
Klar, wer zu schnell fährt, fährt zu schnell. Aber war es ihr Engagement, ihr Ehrgeiz, was zu dieser Situation geführt hat. Wer sich engagiert, eckt an. Oder wird bestraft.
Beispiel 3:
Ich habe einmal in einem recht berühmten Kölner Club gearbeitet. Zunächst als Aushilfe, recht schnell aber in steigend verantwortungsvoller Position. Gekrönt werden sollte diese Neben-Karriere dann vom Job des Co-Leiters des Etablissements. Doch bevor es wirklich losging, war ich raus. Was war passiert? Ich habe mein fehlendes Talent, mich zu verkaufen mit meinem sehr ausgeprägten Talent, Probleme und Missstände nicht nur deutlich zu sehen, sondern auch gnadenlos anzusprechen, in fataler Weise kombiniert. Und als es zu ungemütlich wurde, sich von mir vor Augen halten zu lassen, was nicht funktioniert - gegen meine Ideen war man ohnehin längst immun (obwohl sie interessanterweise ein Jahr später fast 1:1 in dieser Form umgesetzt wurden) - kam es dann ganz praktisch, dass ich mich erst mit meinem Vorgesetzten angelegt (ich kann ja meinen Mund nicht halten) und mir schließlich bei vollem Einsatz (bei fünf Grad und Wind im Außenzelt bis fünf Uhr morgens, bekleidet nur mit Hemd - war so vorgeschrieben) eine saftige Herzmuskelentzündung eingefangen hatte. Das reichte, um dem Geschäftsführer das Argument "fehlende Identifizierung mit dem Club" in den Mund zu legen und mich vor die Türe zu setzen.
Ich habe in dieser Zeit unglaublich viel gelernt. Über machtgeile Würstchen, wie man sich verkaufen muss (oder ich mich eben) und wo Idealismus auf Grenzen stößt. Wenn ich vergleiche, mit welcher Motivation und Ideenfülle ich in meine Position starten wollte und was dann am Ende dabei herausgekommen ist, bin ich noch immer erstaunt. Erstaunt, welche Gesetze und Mechanismen wirklich wirken. Als Sahnehäubchen warte ich noch immer auf knapp 700 Euro - aber mir fehlt das Geld für einen Anwalt. Schon interessant, wie der Geschäftsführer sich seine Ferraris finanziert.
Beispiel 4:
Ein anderes Thema. Es geht um die Uni. Ich hatte mich mit mehreren Monaten Vorlauf für ein Seminar beworben. Ein Seminar, dessen Name und Untertitel mich sehr interessierten und sogleich Ideen weckten, wie man sich dem Thema nähern kann, welche Möglichkeiten der Untersuchung sich bieten würden und wie spannend wohl die Ergebnisse schließlich wären. Mein Denken ist wohl noch zu sehr im "Diplom"-Studiengang behaftet. Aber inzwischen ist ja alles anders. Und wie die Uni Köln mit Diplomanden umgeht und was sie demnach von selbigen hält, kann man ja in der Presse derzeit nachvollziehen. Manchmal frage ich mich, ob es vielleicht zu opportunistisch von mir war, mich der neuen Regelung zu unterwerfen.
Nun, das Seminar startete und machte mir die Realität brutal deutlich. Es war alles vorgegeben. Die Methoden, die Inhalte der Methoden, das Vorgehen, die Fragestellung. Wir waren nicht zum Mitdenken da, sondern zum Ausführen. Es war null komma null eine geistige Herausforderung. Vielleicht bin ich zu verwöhnt von vergangenen Seminaren oder meiner Auslandskampagne (jeweils unter der Leitung eines hervorragenden Dozenten) - denn letztere war trotz harter Arbeit teils ausgesprochen geistig fordernd.
Aber Mitdenken ist einfach nicht mehr erwünscht. Es ist doch auch um so vieles einfacher, wenn man eine Armee von Akademikern heranzüchtet, denen das Mitdenken abtrainiert, das Ausführen ohne Hinterfragen der Motive hingegen zu Eigen gemacht wurde.
Beispiel 5:
Ich arbeite nebenbei für eine Unternehmensberatung. Ein sehr interessanter Job, zumal sich dieses Unternehmen deutlich vom Klischee des Unternehmensberaters unterscheidet - was auch oftmals ein Problem ist. So formulierte der Chef vor einiger Zeit einen höchst interessanten Satz. "Wir sind Aufreger - und das wollen die Leute nicht". Was hat er gemeint? Und wie kam er darauf? Sein Unternehmen ist ein engagiertes. Eines von der Sorte, die nicht den eigenen Geldbeutel an Platz 1 der Prioritätenliste setzen, sondern die Qualität der abgelieferten Arbeit. Das Unternehmen definiert sich nicht über seinen Kontostand, sondern über die Authentizität ihres Engagements. Denn was wir machen, was wir für die Kunden machen, machen wir anständig. Keine halben Lösungen. Wir machen uns nicht die Mühe, den Kunden Rechnungen dafür auszustellen, dass wir ihnen Honig um den Bart schmieren und ihnen sagen, dass ihr Unternehmen bestens aufgestellt ist und reibungslos läuft. Aber wer hört schon gerne, was nicht funktioniert? Das ist unentspannend. Viel schlimmer ist es dann noch, wenn jemand daherkommt und - nachdem er erstens so dreist war, einen Missstand aufzuzeigen - dann auch noch damit anfängt, es besser zu wissen. Wir machen uns Gedanken und wir bieten wirklich Lösungen an. Nach schlaflosen Nächten und oft sehr langen Gesprächen haben wir dann Ideen. Gute Ideen. Mutige Ideen, die den Kunden teils beunruhigen können, eben weil sie zu Gunsten der Optimierung eben auch Veränderung bedeuten. Und wenn ich mit ansehe, wie oft wirklich innovative Ideen und Konzepte von teils sehr großen Unternehmen abgelehnt oder schlicht ignoriert wurden und das vergleiche mit Situationen, in denen Führungsriegen sich den tiefsten Sumpf in ihren Unternehmen schönlächeln (lief ja bisher auch so), wird mir echt anders.
Fazit:
Und daher frage ich mich, wie weit her ist es mit Dingen wie "Engagement" und "Mitdenken"? Mein Philosophie-Lehrer im Abitur damals sagte einmal, dass er sich ein wichtiges Lebensmotto zu Eigen gemacht hatte: "was du tust, tu es, als sei es für dich selbst." Er hatte sich das bei einem seiner Handwerker abgeschaut, der damit seine außerordentlich sorgfältige Arbeit begründete. Bei wem auch immer er arbeitete, er tat es, als sei die Arbeit für ihn selbst. Der Lehrerin - Person 1 - ist diese Haltung eigen. Sie kümmert sich um ihre Schüler. Sie stellt sich der Auseinandersetzung mit Eltern, die keinen Plan haben von Erziehung, der Schulleitung - der Politik hörig - die keine Ahnung mehr hat vom Alltag und den Kindern, die auf der Suche nach sich selbst sind. Sie zeigt Profil und bezahlt das mit schlaflosen Nächten, Sorgen, die sie mit nach Hause nimmt und Ohrensausen schon in ihren jungen Jahren.
Gleiches gilt für Person 2 - mit ihren zahlreichen Jobs. Sie bleibt, bis die Arbeit erledigt ist. Sie steht früh auf, geht sehr spät zu Bett. Sie arbeitet nebenbei, um Rechnungen zu bezahlen, die jemand anders zu verschulden hat.
Oder der Chef der Unternehmensberatung. Er bleibt sich treu, seinem Idealismus. Er bietet Lösungen an, bleibt ehrlich. Stellt seine grundlegende Überzeugung und die Authentizität seines Handelns stets an die erste Stelle, oftmals auf Kosten lukrativer Geschäfte, deren Substanz aber auf Unwahrheit und Gelaber basieren würden.
Ich bin immer erschreckt von Menschen, die Aufgaben mit dem "halben Arsch" erledigen. Die nicht Mitdenken. Die nicht weiterdenken. Dieser zelebrierte Dilettantismus, der sich bei näherer Betrachtung meist aus "Kein Bock", "Kein Plan" und "Geil, Geld" zusammensetzt. Ich denke da zum Beispiel an den Pfusch beim Bau der Kölner U-Bahn. Ich habe den Einsturz des Stadtarchivs damals live miterlebt. Und es ist wirklich unfassbar, wie viele Menschen dort komplett versagt haben. Wie oft habe ich gehört "Das kann auch echt nur in Köln passieren". Ob das stimmt, sei dahingestellt, aber es ist tatsächlich so, dass gerade der Kölner mit seiner "kölschen Art" diese Gleichgültigkeit lebt. Das kann gutgehen, wenn sich dahinter Menschen verbergen, die in Wirklichkeit echt wissen, was sie tun und es deswegen locker angehen können. Aber oftmals ist es eben einfach nur diese als Lockerheit kaschierte, brachiale Dummheit und Fahrlässigkeit.
Ich könnte jetzt noch endlos weitere Beispiele aufzählen. Aber ich denke, ich hab den Kern meiner Aussage nun mehr als deutlich gemacht. Ich bin allerdings noch immer nicht schlauer, ob es sich hier wirklich um ein neues Phänomen handelt (ich bilde mir ein, dass dieses Problem zunimmt), oder ob auch diese Beobachtung eine ist, die ich so oder so ähnlich zu jeder Zeit in der Menschheitsgeschichte hätte machen können.
Ben
*[1] http://www.little-idiot.de/teambuilding/JugendvonHeute.pdf

Aug 28th
Es ist wirklich unglaublich. Was die Medien dieser Tage so hergeben, impliziert für mich persönlich, dass Herr Westerwelle mehr eine Art psychischer Problemfall im Lichte der Öffentlichkeit ist, denn eine ernst zu nehmende Person. Da debattiert die Medienwelt, ob dieser autistische Kauz inzwischen eingesehen hat, dass es die Militäraktionen waren, die Gaddafi vertrieben haben oder ob er noch immer an seine eigene kleine Version glaubt. Er könnte einem fast leid tun, so restlos verloren in seiner eigenen blumigen Welt der Selbstherrlichkeit scheint er. Aber liebe Leute, dieser Mensch ist derzeit hochoffiziell und unweigerlich Deutschlands Außenminister... ja, exakt: ach du Scheiße! Das ist so restlos peinlich, dass mir wirklich die passenden Worte fehlen. Und ebenso fassungslos bin ich beim Anblick von Mutti Merkel. Falls sie jemals die Absicht hatte, als Kanzlerin dieses Landes auch nur ansatzweise ernst genommen zu werden, hat sie diesen hehren Plan spätestens in dem Moment begraben, als sie Westerwelle als Teil ihres Ministerkabinetts akzeptiert hat. Der Typ war doch schon immer auf lauten und dadurch bedingt meist reichlich dünnen Krawall gebürstet. Und ich war immer erstaunt über jene rosabebrillten Ultra-Extrem-Optimisten, die Westerwelle wirklich das Außenamt zugetraut haben (die rosa Brillen hatten wohl ein typisches "Pamplona-Rosa").
Wirklich, es ist aller-, allerhöchste Zeit - wenn einem auch nur ein Quentchen am Ansehen und an der strategischen Position Deutschlands in der Weltgemeinschaft liegt - diesen restlos unfähigen Krawall-Hammel in den Ruhestand zu versetzen, ehe er noch größeren Schaden anrichtet. Ich hab' inzwischen auch wirklich kein Mitgefühl mehr mit diesem Spinner. Dafür geht's um zu viel und dafür beweist er zu konsequent, wie unfähig und - viel schlimmer - borniert er ist.

Aug 22nd
Positiv denken! Positives Denken. Die Gedanken formen die Realität. Du bist, was du denkst. Und so weiter...
In meiner jahrhundertelangen empirisch geprägten Weltreise (genaugenommen sind's 0,29 Jahrhunderte) bin ich oft über diese Aussagen gestolpert. Teils voller Hoffnung, meist mit Sehnsucht und mittlerweile auch oftmals mit Resignation und fast schon Wut verbunden. Es gab Zeiten, da konnte ich es nicht mehr hören. Denke positiv... wenn das Leben einem Tiefschläge verpasst, dass es jeden Kampf gegen die Klitschos mit verbundenen Augen gewinnen würde. Und dann wieder gab es Momente, in denen ich voller Hoffnung alles auf diese Redewendung gesetzt habe. Wenn doch Gedanken die Realität formen, sind es ja die Gedanken, die zu beherrschen es gilt. Das kann ja nicht so schwer sein...
Ist es leider doch. Aber nicht vordergründig. Der Kniff liegt wesentlich tiefer, als man denkt. Denkt... haha.
Heute habe ich über ein ganz spezielles Thema nachgedacht: die Grundhaltung. Das, was viele Menschen vielleicht als optimistisch vs. pessimistisch bezeichnen würden. Und ich habe ein interessantes Beispiel. Wir befinden uns in einem Internet-Chat. Ein Flirt-Chat. Den Chat-Partner können wir nicht sehen und nicht hören. Einzige Info ist das geschriebene Wort, das wir lesen. Es gibt die Menschen, die für bare Münze nehmen, was sie lesen. Und es gibt Menschen, die alles in Frage stellen und das Böse vermuten. Konkret heißt das, die einen schreiben mit einer selbsternannten jungen Frau, sehr sexy, intelligent, neugierig. Sie hinterfragen diese geschriebene Information nicht. Die anderen schreiben ebenfalls mit dieser jungen Frau, sie aber vermuten einen bärtigen, dicken alten Mann.
Tatsache ist, dass man dies nicht nachvollziehen kann. Man kann es nicht überprüfen. Und nun kommt es zur Frage der Grundhaltung. Womit bin ich denn als Mensch glücklicher? Mit der Vorstellung, Worte mit einer attraktiven, jungen Frau zu wechseln oder mit einem Mann, der sich dafür ausgibt? Was ist denn, wenn es wirklich der bärtige Mann ist, man aber glaubt, es sei die Frau. Was ist, wenn es wirklich die Frau ist, man aber von der Vorstellung nicht wegkommt, es sei der Mann?
Einmal ganz davon abgesehen, ob man sich auf solch eine ungewisse Situation überhaupt einlassen möchte... die Architektur unserer Erwartung bestimmt die Qualität unseres Alltags.
Und hier sind wir bei der Grundhaltung angekommen. Der Teil in uns, der schon sehr nah dran ist an dem, um was es geht, wenn davon die Rede ist, dass unsere Gedanken die Welt formen. Unsere Welt. Wie vieles spielt sich im Grunde nur in unserem Kopf ab? Was ist Realität? Wenn wir mit dem Mann chatten und die Frau vermuten, ist das nicht Realität? Eine Realität, die uns gefällt?
Oder um es einmal weniger abstrakt zu formulieren: wenn wir am Meer sitzen, in der Sonne, dann bestimmen wir, was für uns real ist. Oder vielleicht etwas besser gesagt, wo wir unseren Schwerpunkt legen. Es geht auch hier wieder um die Wahrnehmung. Sehen wir die Schönheit des Sonnenlichts? Die Farbe des Wassers? Den Geruch der Pinien aus der Ferne? Das Zirpen der Grillen? Finden wir all das gut? Oder sehen wir vielleicht den Müll zwischen den Dünen? Sehen wir die unattraktiven Menschen? Oder tendenziell eher die Hübschen? All das spielt sich meist unbewusst ab. Ist auf eine gewisse Art und Weise vorgegeben. Und auf den ersten Blick hat man da herzlich wenig Einfluss drauf.
Aber ganz im Ernst: all diese Kleinigkeiten - und es sind jeden Tag eine ganze Menge davon - bestimmen die Qualität unseres Lebens. Ich spreche da aus sehr viel Erfahrung. Ich persönlich habe mein Leben lang einen herzhaften Sarkasmus entwickelt. Eine Grundhaltung, die von der Annahme genährt wird, dass sowieso alles schief geht. Keine gesunde Einstellung. Aber interessanterweise gibt es einen Ausgang. Und zwar nicht unbedingt eine kleine Hintertür, sondern einen großen, prominenten Ausgang: Humor. Irgendwann begann ich, diese ständigen Tiefschläge, diese kleinen Ärgereien, die das Universum mir wie zur eigenen Belustigung ständig zwischen die Beine zu werfen schien, als Anlässe wahrzunehmen, zu lachen. Sei es über mich, über die Absurdität oder einfach über die Situation selbst, weil sie wirklich lustig war. Und das verändert die innere Haltung.
Ich frage mich, wieso scheinbar diese Vorstellung vorherrscht, Realität sei alles außerhalb unseres Kopfes. Damit schneiden wir uns komplett von uns selbst ab und legen unser Schicksal komplett aus der Hand. Ich sage: Realität ist, was in unserem Kopf beginnt! Und das ist eine unglaublich wichtige Erkenntnis.

Aug 6th
Wirklich, ich nehme mir jedes mal vor - und gebe mir ganz ehrlich auch wirklich alle Mühe - auf das Positive im Menschen zu achten. Das Positive eines jeden Mitmenschen. Von der Prämisse ausgehend, dass uns widerfährt, was wir erwarten, dass wir werden, was wir wahrnehmen.
Und nach dieser Annahme in Kombination mit meinen unfreiwilligen empirischen Erfahrungen bin ich verloren.
Aber der Reihe nach. Jeder Mensch, jedes einzelnde Dasein, jede Entität des Lebens auf dieser Welt, hat einen guten Kern. Und sei er noch so tief verborgen unter Ängsten, unter Besessenheit, Verblendung, Hochmut, oder was einem noch so alles einfällt an Eigenschaften der Schwäche. Darunter verstehe ich den Wesenskern tief in uns, der sich im Grunde nur nach Zuneigung und Gesellschaft sehnt.
Dass dieser Kern bei vielen Menschen nahezu restlos und jämmerlich verkümmert ist, ist hierbei Teil des Systems.
Es war viele Jahre sehr einfach, mit arroganter Verachtung auf all jene zu blicken, die für sich persönlich in ihrem Leben den Weg der Dunkelheit gewählt haben. Und mit Dunkelheit meine ich die Abwesenheit von Licht - von Erkenntnis. Die Flucht in Illusionen, Ängste, Symbole, Masken. Das ist eine Entscheidung zwischen dem richtigen Weg und dem Leichten. Aber erstens ist es so einfach nicht und zweitens ist arrogante Verachtung keine erstrebenswerte Daseinsqualität. Ich sags mal so, der adipösen Mutter, die ihren vierjährigen Drillingen Chantal, Kevin und Justine je zwei Juniortüten von McD zu Essen gibt und sich an der Haltestelle lauthals darüber aufregt, dass Hartz IV gekürzt wird und sie nicht weiß, wie sie ihre Kippen bezahlen soll, ist es im Grunde völlig egal, mit welchem Gefühl ich leben muss, wenn ich sie betrachte. Für sie ändert sich dadurch nichts. Aber ich - als Beobachter - muss mit meinem Gefühl leben. Und Abscheu ist keine angenehme Empfindung. Und hier liegt die Aufgabe. Denn auch jener beispielhafte Mensch hat diesen Kern. Diesen kleinen Funken. Das, was sich nach Nähe sehnt, nach Zuwendung. Nach der Schönheit des Lebens. Und dieser Mensch hat sich den Zugang dazu eben - vermutlich für den Rest dieses Lebens - endgültig verbaut. Die korrekte Reaktion ist eigentlich Mitgefühl.
Und doch kommt von irgendwo tief in meinem Inneren diese Abscheu her. Ein Gefühl, dass zu ignorieren auch erstens viel zu anstrengend wäre und zweitens auch ungesund. Vielmehr ist es interessant, zu ergründen, wo bei mir in diesem Fall der Quell dieser Emotion liegt.
Und die Antwort ist im Grunde einfach. Denn es ist Angst. Dieser ekelerregende Anblick führt mir eine Urangst vor Augen. Die Furcht davor, ebenso in die Dunkelheit abzurutschen - mich derart von der Schönheit des Lebens zu entfernen. Und wer mag schon gern seine Ängste vorgehalten bekommen?
Aber wieso bin ich verloren?
Ich habe mir in der letzten Zeit vorgenommen, auf meine Gedanken und Gefühle zu achten. Sie rein zu halten. Das ist ein bisschen wie die Körperpflege - nur dass man Schmutz in den Gedanken nicht so schnell nach außen trägt wie körperliche Unreinheit. Wobei sich beides gegenseitig bedingt und gedanklicher Dreck irgendwann unweigerlich zu äußerlichem Dreck wird.
Ich möchte also meine Gedanken sauber halten. Das heißt konkret, dass ich mich selbst möglichst neutral dabei beobachte, wie ich auf Menschen reagiere, welche Gefühle entstehen, wenn ich andere Menschen wahrnehme. Und wenn sich Abscheu anbahnt, oder sogar wieder Verachtung, kann ich reagieren. Ich versuche mir stets vor Augen zu halten, dass es vermutlich Ängste waren, die aus den Menschen das gemacht haben, was sie heute der Welt von sich zeigen. Ich versuche, meiner Abscheu die Daseinsberechtigung zu nehmen, indem ich dieser höchst oberflächlichen Emotion ihre vermeintliche Herkunft aufzeige und sie somit als unpassend widerlege.
Aber... ja, aber. Auf der Suche nach der wahren Schönheit, beim aufmerksamen Betrachten meiner Umwelt kommt es härter und härter, je mehr ich darauf bedacht bin, mit meinem Urteil milde zu bleiben.
Denn es ist irgendwie frustrierend, das Gute zu suchen - sehen zu wollen - wenn man gerade dann mit der krassen Realität konfrontiert wird.
Erfahrungen nur eines einzigen Tages:
- Menschen, die beim Besteigen eines öffentlichen Verkehrsmittels einfach zu hohl sind, erst aussteigen zu lassen.
- Menschen, die in der Bahn das Handy mit einem umgedrehten Megaphon verwechseln und in einer Lautstärke (vorzugsweise auch noch in einer fremden Sprache) labern, dass sie das Handy im Grunde eigentlich gar nicht bräuchten. Als seien sie allein auf der Welt.
- Exemplare einer völlig perspektivlosen Generation, verzweifelt auf der Suche nach Grenzen (die sie ja meist zu Hause nicht mehr gezeigt kriegen), die ihre Mobiltelefone mit 80er-Jahre Ghettoblastern verwechseln.
- Massen und Abermassen an Müll, der wirklich überall liegt. ÜBERALL. Köln ist so ein hoffnungsloses Drecksloch, dass einem da wirklich überhaupt nichts mehr zu einfällt. Die ganze Stadt ist ein einziger riesengroßer Mülleimer - und längst nicht mehr nur für die Bildungsfernen.
- Im Kino rechts neben uns ein stinkendes, schweißiges Pärchen mit zwei Tonnen Popcorn und fünf Litern Cola (äußere Erscheinung dementsprechend). Links das Gleiche. Vor uns eine Gruppe von halbstarken Schaumschlägern mit endcoolen Sprüchen in jeder passenden bzw. unpassenden Situation (da wird man von der Geltungssucht selbst viertausend Meilen gegen den Wind noch erdrückt) und hinter uns eine Mutter mit ihren zwei Grundschulkindern, für die der Film restlos ungeeignet war und die sich außerdem und vielleicht auch deswegen überhaupt nicht benehmen konnten.
- Auf dem Bürgersteig eine Gruppe von raufenden Primaten in Hemden, von denen mir einer versehentlich in ihrer Unfähigkeit zur Nahbereichswahrnehmung und Wahrung von Grenzen mit dem gesamten Gewicht (und es war mal wieder eine Menge davon im Spiel) auf Bein und Fuß getreten hat. Aber anstatt auf meine Unmutsäußerung vielleicht eine Entschuldigung zu zücken, ließ man dann nur ein belächelndes "Ach, geh weiter, Junge" fallen.
- Eine Gruppe von geanzugten, öligen Südländern (herrje, diese Stereotypen wieder), die sich tuschelnd über meine attraktive Begleitung lustig zu machen versuchen und mit der grandiosen Frage aufkreuzen "Wissen Sie, warum die Bahn nicht losfährt?". Die Antwort "Weil ein Meteorit am Neumarkt eingeschlagen ist und jetzt erstmal die Schienen neu gelegt werden müssen" ist mir leider mal wieder zu spät eingefallen.
Wo ist sie denn, die Schönheit? Wo ist er denn, dieser kleine Kern. Das Gute im Menschen. Jener Teil, der uns alle gleich macht. Ich suche ihn. Ich bemühe mich wirklich. Aber ehrlich bei aller Liebe und allem Verständnis... Es ist wirklich schlimm hier.
Aber ich bin entschlossen, meinen Kampf nicht aufzugeben und ich werde weiter suchen. Immer im Hinterkopf, dass wir sind, was wir wahrnehmen. Oder andersherum, wahrnehmen, was wir sind. Gut, klappt natürlich nur, wenn es auch etwas gibt, was in Resonanz treten kann um auch tatsächlich zu spiegeln, was einem entspricht. Ich ziehe an dieser Stelle immer gerne mein Beispiel mit den 40 Glühbirnen heran. 39 von ihnen sind rot - und die eine grüne kann noch so sehr ihresgleichen suchen, noch so sehr hoffen, sich selbst in der Welt wiederzuentdecken. Sie wird trotzdem nur rot sehen.
Was hatte ich noch gesagt mit "verloren sein"?

Jul 21st
"Erdogan will es jetzt wissen. Seine Botschaft ist klar: Entweder die Blockade der griechischen Republik Zypern wird durchbrochen und Beitrittsskeptiker wie Angela Merkel und Nicolas Sarkozy verschanzen sich nicht mehr hinter griechischen Bedenken - oder die Türkei verabschiedet sich von der EU." (SPIEGEL ONLINE)
Vergleiche folgende Aussagen:
"Also entweder sie teilen Ihren Schreibtisch jetzt mit vier Mitarbeitern und verzichten auf ihr Weihnachtsgeld oder ich erhöhe Ihnen jetzt endgültig das Gehalt um 200%!"
"Entweder Du bezahlst jetzt alle Deckel aller Gäste heute Abend oder ich komm jetzt sofort mit zu dir nach Hause und bringe noch meine Freundin mit!"
"Also entweder Sie tauschen jetzt ihren Mercedes gegen den alten VW Polo hier oder Sie können endgültig für immer umsonst tanken."
ich sag's mal so: manche Chancen sollte man nicht verstreichen lassen...

Jul 8th
Wie war das noch gleich? Getroffene Hunde bellen?
Die Union reagierte empört auf den Schmiergeld-Verdacht. "Ich finde diese Unterstellung ganz unerhört", sagte CDU/CSU-Fraktionsgeschäftsführer Peter Altmaier im ARD-"Morgenmagazin".
SPIEGEL ONLINE
Als Reaktion auf Vermutungen von Ströbele, es könnte auch bei dem aktuellen Waffendeal, der je nach Auffassung sogar gegen die Verfassung... achne, sowas hat Deutschland ja nicht das Grundgesetz verstößt, Schmiergeld geflossen sein. Ganz in der Tradition der CDU, wie die Vergangenheit ja beweist. Dass aber in diesem Fall nicht nur die Politiker ein seltsam lückenhaftes Gedächtnis haben, sondern sehr zu meinem Bedauern auch die Wähler, weiß das irgendwie heute kaum noch jemand. Dass einer der Hauptverantwortlichen, dem im Zuge dieses ganzen Schmiergeldskandals damals sogar 100.000 Euro auf mysteriöse Weise abhanden gekommen sind (über die er also keine Auskunft geben konnte - lückenhaftes Gedächtnis halt) heute unser aller Finanzminister ist, ist hier nur eine Stilblüte am Rande dieses grandiosen Affentheaters.
Und wer nach alledem wirklich glaubt, beim aktuellen Deal mit Leopard Panzern für Riad sei alles komplett ohne Schmiergeld ausgekommen, reiht sich ein in die Riege derer, die auch weiterhin fleißig ihr Kreuzchen bei der FDP machen, weil sie nach wie vor glauben, diese Partei habe allen Ernstes das Wohl des Wählers im Sinn.
Wenn man sich den - zurecht - enormen innenpolitischen Druck jetzt so ansieht, dem Merkel ausgesetzt ist und dem sie auch weiterhin stoisch trotzt, fragt man sich doch, mit welcher Motivation sie nicht nur vor Bekanntwerden, sondern auch heute im Lichte der öffentlichen Kritik weiterhin so vehement hinter diesem völkerrechtlich höchst bedenklichen Vorgang steht.

Jul 8th
Ich bin unzufrieden. War das zu Anfang meiner Zeit mit meinem iPhone zunächst nur ein diffuses Gefühl, das außerdem auch von meiner Euphorie über den Besitz eines iPhones schnell überspielt wurde, so hat es sich doch gerade in den letzten Wochen zu einem handfesten Problemkomplex gewandelt - und interessanterweise fällt mir auch heute wieder ein, dass ich schon nach dem ersten Anschalten und den ersten Gehversuchen im damals noch iOS 3.x überwiegend ernüchtert war.
Ich hatte damals ein HTC Diamond. Ein tolles Handy mit einem tollen Display. Nur das OS war Schrott. Windows Phone 6.irgendwas mit Sense UI. Noch nie war mir ein Handy so oft abgestürzt. Aber ehrlich gesagt gab es nach meinem Umstieg aufs iPhone sofort folgende Punkte, die ich mehr oder minder schmerzlich vermisse:
- Es gibt kein Dateisystem. Das ist meiner Meinung nach das größte und gravierendste Problem des iPhone. Wenn ich eine Email mit Anhang bekomme, möchte ich diesen gerne speichern können. Ich möchte Ordner erstellen. Bilder und Dokumente darin ablegen. Hier und da vielleicht mal eine Excel-Tabelle zur Betrachtung. Es gibt einige Apps, die diesen wirklich gravierenden Mangel von iOS zu kompensieren versuchen. Aber es sind eben nur Apps.
- Schnellzugriff zum Beispiel auf Verbindungen. Windows Mobile hatte ein Com-Center. Super praktisch. Bluetooth an/aus. WLAN an/aus. SIM an/aus. Datenverbindung an/aus. Das ist beim iPhone schon etwas komplizierter.
- "Customisierbarkeit" (uahr, welch ein Wort). Wieso zur Hölle kann ich meinem 700 Euro Handy keine individuellen SMS-Töne einstellen?! Jedes mal, wenn in meinem Freundeskreis eine SMS ankommt, zückt jeder sein iPhone, um nachzusehen. Das nervt!
- Der Zustand der Meldungen ist ein Witz. Mein Windows Phone konnte mir schnell anzeigen, wenn es etwas Neues gab. Man konnte die verschiedenen Meldungen durchklicken, wegklicken oder anzeigen lassen. Wenn mein iPhone mehr als eine Neuigkeit zu vermelden hatte, war die erstmalige fortan im Daten-Nirvana verschollen.
- Sense hatte eine wirklich schöne Uhr im Start-Bildschirm. Das vermisse ich sehr. iOS ist genaugenommen nichts anderes als eine Liste von Apps. Man kann die Symbole ja nicht mal frei anordnen - sind es weniger als 16 auf einer Seite, rutschen alle sukzessive nach oben links - eine Liste, nichts weiter. Mit iOS 4.x kam dann die Möglichkeit, Unter-Listen zu erstellen. Aber ehrlich gesagt finde ich die Lösung hässlich, nichts weiter. Mir fehlen Widgets. Sehr sogar.
Andere Anbieter sind auch nicht die Lösung in Tüten. Gerade von Windows Mobile und nun Windows Phone 7 halte ich wenig bis nichts. Die Tiles sind eine interessante Idee, zugegeben. Aber der Rest des UI ist einfach mist. Was mich gerade wirklich überrascht, ist nicht unbedingt Android, sondern vielmehr Sense darüber. Android halte ich für sehr vielseitig, allerdings auch etwas zu verfranst an den Enden. Da ist Apple besser aufgestellt. iOS ist zwar spartanisch, aber dafür rund. Aber wenn man mal einige Zeit die Vorzüge der Schlichtheit - aber eben auch der Einschränkung - erlebt hat, wünscht man sich doch hin und wieder auch etwas Tiefgang. Und Tiefgang ist nun wirklich nicht, womit iOS in irgendeiner Form glänzen könnte. Denn nur bei meinem 6210 vor zehn Jahren war ich schneller an den Grenzen der Untermenüs, als beim iPhone.
Das Update auf iOS 5 hat mir in der Tat hier wieder etwas Hoffnung gemacht, allerdings glaube ich, dass das allermeiste davon viel zu spät kommt. Ich bin mir nicht sicher, ob die Änderungen ausreichen werden, um mich als Kunden langfristig an Apple zu binden. Mir fehlen einfach zu sehr das Datei-System, eine durchdachte Oberfläche (Notizen sind dazu da, gesehen zu werden und nicht hinter einem von 128 App-Icons zu lauern) und die Möglichkeit, mein Handy an meinen persönlichen Geschmack und mein Empfinden von Ästhetik anzupassen.
Apple hat grandiose Arbeit geleistet und war mit seinen iPhones lange Zeit unangefochtener Pionier in Puncto Qualität, Leistung und Innovation. Das erste iPhone hat den weltweiten Schritt zum Durchbruch der heutigen Smartphones eingeläutet. Aber in der Zwischenzeit hat sich an iOS an sich fast nichts getan und Apple hat sich von der Konkurrenz, die auf den von Apple zweifellos gestarteten Zug aufgesprungen ist, längst rechts überholen lassen. Apple hat viel zu viele Entwicklungen verschlafen - gerade was das UI angeht - und muss sich jetzt an der Vielseitigkeit der neuesten Androids messen lassen.
Und wenn ich mir all das so ansehe, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass mein nächstes Handy eher ein Android sein wird - vermutlich mit Sense - denn ein weiteres iPhone, auf dem ich meinen Email-Anhang nicht speichern kann.
Ach und von Flash-Inhalten will ich erst gar nicht sprechen...

Jun 22nd
Es ist Sonntag morgens, naja, nachts und der Wecker hat soeben um 3:40 Uhr geschellt. Man muss entweder total verrückt sein oder einen triftigen Grund haben um diese Uhrzeit an einem Sonntag aufzustehen! - Wir haben letzteres, Kerstin und Ich. Denn unser Flugzeug soll um 6:35 vom D-Dorfer Flughafen gen Süden starten wo, wie uns das Internet versprach, die Sonne bei angenehmen 28 °C im Schatten scheint und der Strand direkt vor unserer temporär neuen Haustüre sein wird. Also stehen wir ohne zu murren... ok mit so wenig murren wie möglich, auf und verrichten die üblichen letzten Tätigkeiten, die man so erledigt, bevor man das Haus für mehrere tage verlässt. An alles haben wir gedacht nur nicht ans Frühstücken.
Da uns die Mägen auf dem Weg zum Flughafen allmälig zu knurren beginnen, entschließen wir uns dazu noch schnell am Flughafen bei McDonalds zu Frühstücken. Die Warteschlangen beim Checkin bestärken uns noch bei diesem Vorhaben.
Inzwischen: 05:02 Wir stehen vor McDonalds und es gibt kein Frühstück. Dafür ist es noch zu früh, oder vllt noch zu spät? Man weiß es nicht, die Dame bei McDonalds weiß es auch nicht, schließlich schaut sie recht verwirrt bei dieser Frage und alles was sie antwortet ist: "Erst ab 06:00 Uhr gibt es Frühstück." Damn! Das ist zu spät! Naja, ein paar 50 Meter weiter ist ja noch REWE, die haben bestimmt was! So ist es auch. Nach fünf Minuten warten an der Servicetheke verlassen wir die Kasse mit zwei prächtigen Baguettes in den Händen. Eines mit Käse, eines mit Salami, beide mit einer Soße, die eine Mischung aus Remoulade und Joghurt-Dressing darstellt. Sonst nichts. aber immernoch besser als Hamburger und Pommes zu Frühstücken!
Zurück am Checkin. Erstaunlich! Die Schlange hat sich in den letzten 20 Minuten so gut wie aufgelößt und wir sind praktisch instant durch.
Bei den Kontrollen habe ich vergessen meinen Gürtel auszuziehen und der Ramen piepst. Ich glaube der Kontrolleur ist vom anderen Ufer, schaut schon so interessiert auf meinen Gürtel, oder etwas unterhalb? (Nicht, dass ich etwas homosexuelle habe, doch auch hier gibt es soetwas wie sexuelle Belästigung!) -.- Ich biete an, meinen Gürtel auszuziehen und durch den Scanner zu schicken und selbst ohne selbigen erneut durch den Bogen zu laufen. Aber er schüttelt nur den Kopf und gibt mir halb mit Worten und halb mit Blicken zu verstehen: "Leibesvisitation". Also, Arme hoch, einmal ganzkörperbegrapschen lassen, eine Hand wandert über meinen Intimbereich und ich bin kurz davor unverhofft mein Knie zu heben! "Umdrehen! Hände an die Wand und Füße heben!" Jetzt scannt der meine Füße von unten. Tastet zum achthunderttausendstenmal meine Beine, meine Seiten, meine Arme ab. Zum Abschluss noch einmal über mein Hinterteil gestrichen! Alles nur wegen eines Gürtels! Wäre es nicht leichter gewesen den eben auszuziehen?! oO Bei Kerstin piepst nichts und sie wird, ohne angeschaut zu werden, durchgewunken.
Naja, aber ich bin ja ein Schwerverbrecher und die muss man ja bekannterweise daran hindern auszureisen! Nungut, nachdem der etwas enttäuschte Grabscher fertig war durften wir dann auch weiter. Noch etwa eine Stunde bis der Flieger abhebt. Wir warten. Leider geht von einem Gate neben uns eine Maschiene nach Malle ab. Yo Digger! Biergestank, gegröle und Assi-slang liegen in der Luft. Ich könnt kotzen! Gott sei dank betrete ich einen anderen Flieger als die! Hätt ich doch besser Hamburger und Pommes genommen. Das passt besser zu Bier- und Alkoholgestank als ein Frühstücksbaguette. Wir warten weiter und nach 15 Minuten, die mir vorkamen wir eine halbe Ewigkeit werden diese Party-'Ich schieß mich im Urlaub noch mehr ab, als ich es zu Hause eh schon tue'-gänger zum Einstieg gebeten. Mein Beileid gilt all jenen, die mit diesen Bekloppten reisen müssen. Aber recht bald werden auch wird auch unser Flug aufgerufen und wir machen uns auf den Weg zur Gangway. Einmal durch den Tunnel und dann durch... ne, Moment, die Treppe runter? Und dann? Etwa in den bus der da steht? Ich dachte das Flugzeug, dass hier steht wäre unseres? Nagut. Also in den Bus. Er bringt uns ein Stück über den Flughafen und hält auch wieder an. Als ich aussteige denke ich, ich guck nicht richtig! OOHHH ist die Maschiene NIEDLICH! So richtig klein. Ne Nummer kleiner und sie würde mit propellorn auskommen :D - Naja, hier wieder Treppe hoch und rein in das Flugzeugchen.
Und schon begegnen einem die ersten Menschen, die einem vorher schon auffielen zum zweiten mal. Nachdem wir eine offensichtlich eingebildete, hässlige, aber sich trotzdem für die schönste haltende, Diva von unseren Plätzen vertrieben hatten setzten wir uns exat hinter diese "auffälligen" Menschen. Eine Mutter, mit ihrem Sohn und seiner Oma. Der Flug wird ja spitze! Warum, erzähl ich später in "Urlaubsimpressionen - Reise Teil II"
Florian

Mär 18th
Und es geht munter weiter... derzeit wird man ja in jeder möglichen und unmöglichen Fernseh-Talkrunde mit mehr oder weniger relevanten Persönlichkeiten bezüglich des Kernenergie-Themas gequält. Leider haben mehrheitlich Personen und Persönlichkeiten mit minder relevanzfähigem Urteilsvermögen die vermehrt relevanten Positionen inne - wie der Vorstandsvorsitzende von E.ON, der doch letztens allen Ernstes mit der Inbrunst der Überzeugung in einem Interview sagte, dass er ebenso wie der Bundeswirtschaftsminister keinen(!) Einfluss auf die Strompreise hätte. Sorry? Was will E.ON dann mit ihm? Normalerweise rege ich mich auf, wenn Menschen völlig unverfroren einfach saudumm sind. Aber diese krasse Dreistigkeit ist schon echt heftig.
Und die Augenwischerei geht munter weiter. Heute war ich Zeuge eines internen Vortrags des Departement of Chemie an einer der größten deutschen Universitäten. Thema: Der Kernreaktor-Unfall von Fukushima unter wissenschaftlichem und chemischen Gesichtspunkten.
Gastredner war jemand vom Bundesamt für Strahlenschutz. Obwohl er auch unter Göbbels ein hervorragendes Bild abgegeben hätte. Denn was dieser Vollidiot da erzählt hat, entbehrt wirklich jedweder Realitätsverbundenheit. Ich bin äußerst beunruhigt aus diesem Vortrag gekommen, nicht aber, weil etwa gesagt wurde, wie schlimm die Katastrophe in Japan sei und wie entsetzlich die Katastrophe für alle Japaner ist, sondern vielmehr, weil eben dies NICHT gesagt wurde. Im Gegenteil wurde das gesamte Thema völlig verniedlicht und verharmlost. Ich frage mich dabei noch immer, ob er glaubt, was er da an geistigem Würfelhusten in die Menge geworfen hat oder ob er vielleicht einer offiziellen Anweisung folgt. Auszugsweise ein paar Zitate (und ja, das hat er ernst gemeint): "Der Tschernobyl-Zwischenfall hat ja - was keiner weiß - nur 30 bis 40 Todesopfer gefordert." oder der hier "Den Anstieg von Fällen von Schilddrüsenkrebs in der Ukraine um etwa 8000 konnte man niemals wissentschaftlich belastbar mit Tschernobyl in Verbindung bringen." Auf eine Frage aus dem Publikum, wie es mit den 50 Arbeitern weitergeht, wenn man annimmt, dass sie ihre Arbeit erfolgreich beenden können (und unter dem Hinblick, dass sie ja meist tödliche Strahlendosen abbekommen haben) kam dann: "Ach, das wird auch alles völlig übertrieben. Rein statistisch gesehen kann es natürlich sein, dass der ein oder andere der Arbeiter einen Gammastrahl abkriegt, der dann irgendein Erbgut zerschießt und dann kriegt er dann am Ende doch Krebs. Aber normalerweise gehen die Arbeiter nach vollendeter Arbeit duschen, waschen sich die Radioaktivität ab und können wieder nach Hause gehen!".
Eigentlich hätte ich den Saal längst verlassen müssen, aber ich war zu gebannt von der Unglaublichkeit. Und ehrlich gesagt wollte ich nicht verpassen, was noch alles kommen sollte.
Denn auf eine weitere Zwischenfrage, was denn von der Meldung zu halten sei, dass das Abkühlbecken für Brennstäbe angeblich überfüllt war, kam dann die äußerst überzeugende Einschätzung des Experten für Strahlenschutz (oh... mein... Gott!!!), dass er sich das beim allerbesten Willen ja nun wirklich nicht vorstellen könne. Man könne diese Becken gar nicht überfüllen? Warum? Weil es doch schließlich auch Kontrolleure gäbe, die den Betreibern dann schon einen erzählen würden...
Auch in Deutschland liegen diese Abkühlbecken übrigens außerhalb des Containment (dem inneren Teil eines Kraftwerkes - jenem Teil, der die radioaktive Strahlung von der Umwelt trennen soll. Ein offensichtlich hoch durchdachtes System...). Sie liegen dort übrigens sozusagen "unterm Dach". Warum? Weil ja schließlich auch ein Kran rankommen muss. Nach unten und zu den Seiten sind diese Becken natürlich hochgradig abgeschirmt - die Arbeiter müssten ja schließlich auch noch durch das Kraftwerk gehen können (also auch durch die Gänge unter und neben diesen Becken).
Zu schlechter Letzt wurde dann noch das Thema "Strahlung" an sich komplett der Lächerlichkeit preisgegeben. Wer jeden Tag ein Ei esse, sei viel mehr Strahlung ausgesetzt, als Arbeiter in einem Atomkraftwerk (böses Blei-Isotop). Oder wer jede Nacht in einem Abstand von 20 cm neben einem anderen Menschen schlafe, fange sich ebenfalls einen gewissen Beitrag Radioaktivität ein.
Ja, sag mal, geht's noch?!
Seine Einschätzung, dass für Tokyo keinerlei Gefahr bestehe, nie bestand und nie bestehen wird und dass er die ganze Hysterie nicht nachvollziehen könne, sollte er vielleicht mal persönlich und vor Ort an den Mann und an die Frau bringen. Wieso er nicht selbst im Reaktor hilft - schließlich sei die Gefahr für Gesundheit und Leben der Arbeiter rein stochastischer Natur - hat niemand gefragt.
Ich bin höchst beunruhigt aus diesem Vortrag gekommen. Ich habe zwar nichts gehört, was ich noch nicht wusste - unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten - dafür habe ich etwas äußerst wichtiges gelernt. Vertuschung und Verniedlichung sind Trumpf. Und wie frech und dreist und sehenden Auges vorbei an Tatsachen diese Person da ihre Ansichten verpulvert hat, war schon heftig.
Hätte ich noch einen Restfunken Vertrauen in unsere Politik gehabt, das hätte mir den letzten Rest geraubt. Es ist schlimm und die meisten wissen vermutlich nicht einmal, WIE schlimm.
Best of: +++ Tschernobyl nur 30 - 40 Todesopfer +++ 8000 Fälle von Schilddrüsenkrebs nach der Tschernobyl-Katastrophe nie belastbar mit eben jenem Ereignis in Verbindung gebracht +++ Kühlbecken nicht überfüllbar, da Kontrolleure existent +++ Die 50 Arbeiter am offenen Reaktor sind allerhöchstens statistischer Gefahr ausgesetzt +++
Ich geh jetzt mal kotzen und dann weinen, weil es abseits all dieser politischen Kasperleaufführungen höchster Güte in Japan noch immer viele Tausende und Hunterttausende von Menschen gibt, die entsetzlichem Leid und riesengroßer Angst ausgesetzt sind.
Und Respekt an jene Menschen, die ihr Leben geben im Einsatz am Katastrophenreaktor um dafür zu kämpfen ihr stolzes Land vielleicht doch noch vor dem Untergang bewahren zu können.
Und an dieser Stelle dann noch ein Link, der so ein kleines bisschen die Aussagen mit den Kontrollen zerlegt...:
Focus: Atomare Katastrophe in Japan, Reaktorbetreiber soll geschlampt haben