Eine Lüge bleibt eine Lüge bleibt eine Lüge. Egal, wie verdreht man sie darstellt. Egal, wieviele tolle, schlaue, verwirrende Worte man darum herum baut. Egal, wie dreist man ist. Egal, wie viel finstere, dreckige Niedertracht dahinter steckt.

Ekelhaft finde ich, dass mich diese klebrige, dummdreiste Dreckslügenkampagne auf News-Seiten wie dem Spiegel oder der Süddeutschen ankotet. Mit Slogans auf einem Niveau, das der BILD-Kotze gut zu Gesicht stünde, allerdings dann doch noch etwas eher etwas für die WELT-Gülle wäre. Wobei die Macher – mögen sie für ihren moralischen Verfall in der Hölle schmoren gleich neben Investment-Abzockern und Bushido-Anwälten – hier genau den „richtigen“ Ton treffen. Tumbe Stammtisch-Polterei mit diesem angedeuteten Hauch Nobel-Intellektualität, die sich für den wirklich denkenden Menschen beim ersten Blick allerdings als Billig-Kopie aus Kapitalistan entpuppt.

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Dieser widerwärtige Propaganda-Krieg würde mich allein für sich ja eher belustigen. Zu billig finde ich die Argumente, zu bräsig die Begründungen. Der Kragen platzt mir allerdings, weil ich genau weiß, dass die Macher genau wissen, dass sie damit eine traurige Mehrheit dummer Menschen in diesem Land genau erreichen. Menschen, deren Horizont leider nicht ausreicht, um sich diese wichtigen Gedanken selbst zu machen, um selbst zu recherchieren, zu kombinieren und eigene Schlüsse zu ziehen. Menschen, die sich dadurch mit solch tumben wie gefährlichen Parolen abholen lassen. Das ist gezielte Volksverhetzung. Das ist Propaganda-Krieg. Und das ist ekelerregend, gesellschaftlich geradezu widerwärtig. Denn hier wird mit den Urängsten der Menschen gespielt, um eine soziale Evolution aufzuhalten, die im Endeffekt der Ungleichverteilung einen leichten Bremsklotz anlegen könnte. Mehr ist es ja noch nicht einmal. Aber diese Gier, dieses widerwärtige asoziale Pack, die Ausbeuter unserer Gesellschaft kriegen einfach ihre fetten Hälse nicht voll. Und mit Geld kann man alles machen. Wenn man das Geld, das allein diese unsägliche Initiative Neo(a)soziale Marktherrschaft (oder so ähnlich) verschlingt mit ihren ganzen Vorsitzenden, Kuratoren, Kampagnen, Werbemaßnahmen, Lobbyinvestitionen, nähme und damit die Menschen etwas besser bezahlen würde, wäre viel mehr Menschen geholfen. Stattdessen werden Millionen investiert, um den Fließband-Arbeiter davon zu überzeugen, dass 8,50 pro Stunde (brutto(!!!!!!)) nicht in seinem Sinne sind. Und das eigentlich finstere: die Kampagne will erreichen, dass der Fließbandarbeiter das sogar glaubt. Eine erfolgreiche Kampagne erreicht, dass der fleißige Arbeiter auch gar nicht mehr Geld WILL! Warum? Weil sonst ganz viele arme Leute ihre Arbeit verlieren. Warum das? Na, ist doch klar. Weil die Arbeitgeber die 8,50 Euro nicht bezahlen können… oder wollen? Wie war das noch? Und weil die Arbeit, die gemacht werden müsste, dann eben GAR nicht gemacht wird. Weil man als Arbeitgeber lieber den Firmen-Daimler kutschiert, als dem Fundament des eigenen Erfolges – seinen Mitarbeitern – einen Lohn zu bezahlen, der ihrer Arbeit angemessen ist und der diesen Menschen ihre selbstverständliche Lebenswürde gibt.

Es ist dieses weinerliche, was ich an der Kampagne so ätzend finde. Und diese unglaubliche, an Dreistigkeit und geballter Boshaft nicht mehr zu überbietende Aussage, halbe Wahrheiten seien gefährlich. Ja, genau das. Halbe Wahrheiten SIND gefährlich. Und sie selbst bieten das allerbeste Beispiel. Das ist, als würde die Atom-Lobby auf ihre Werbeplakate schreiben „Solaranlagen und Windkrafträder sind lebensgefährlich – die könnten einem auf den Kopf fallen!“ oder die Tabak-Industrie würde werben mit dem Slogan „Rauchverbote? Diese Bevormundung des Bürgers beschneidet sein Recht auf ein gesundes, freies Leben!“. Oder eben mit den Worten der Arbeitgeber-Lobby (also der Bande derer, die auf Kosten und auf den Rücken ihrer Millionen Fabrikarbeiter ihren Reichtum gescheffelt haben) „Mindestlohn? Gefährdet Arbeitsplätze“. Das ist so kreischend kurz gedacht, dass es fast weh tut. Noch viel größer ist der Schmerz aber, weil klar ist, dass die Leute doch ganz genau wissen, wovon sie sprechen. Und als würde es die Arbeitgeberverbände auch nur im Geringsten interessieren, ob der Fleißbandarbeiter seinen Job verliert. Die haben einfach keine Lust, mehr zu bezahlen. Und da zieht das Druckmittel, dem kleinen Mann im Ernstfall die Lebensgrundlage zu entziehen, schon ganz gut. Im Grunde ist das nichts weiter als perfide Erpressung. Ein widerlicher Schachzug in einem ungleichen Kampf. Macht gegen Ohnmacht. Aber ich will mal die Bande sehen, was sie machen, wenn sie alle ihre Arbeiter entlassen „mussten“. Wer macht dann die Arbeit, die die Grundlage des eigenen Reichtums ist? Und da sitzt die eigentliche Macht des kleinen Arbeiters. Denn ohne ihn, ohne seine fleißige Arbeit, seinen kaputten Rücken, seine Staublunge und was er sonst noch auf sich nimmt, wäre der Reichtum der Arbeitgeber niemals zustande gekommen. Und jetzt, wie zu jeder anderen Zeit auch, diesen Menschen einen angemessenen Lohn vorzuenthalten ist bestenfalls undankbar – ehrlich gesagt ist es aber nur Sklavenarbeit 2.0.

Wäre das System ein gerechteres, würde jeder Arbeitnehmer mit seiner Arbeit nicht nur Geld verdienen, sondern auch Anteile an der Firma erwerben, für die er schuftet, sähe all das ganz anders aus. Aber dafür hat sich in den letzten Jahrzehnten dieser Filz aus Kapitalismus und Korruption in diesem Land viel zu sehr verfestigt und verbreitet, als dass man dem heute noch Herr werden könnte. Eine wirklich und wahrhaft bittere Erkenntnis.

PS: „Mein Chef hat sich einen Ferrari gekauft. Wenn ich dieses Jahr noch ganz, ganz hart und fleißig arbeite, kann er sich nächstes Jahr einen zweiten kaufen.“