Ich bin unzufrieden. War das zu Anfang meiner Zeit mit meinem iPhone zunächst nur ein diffuses Gefühl, das außerdem auch von meiner Euphorie über den Besitz eines iPhones schnell überspielt wurde, so hat es sich doch gerade in den letzten Wochen zu einem handfesten Problemkomplex gewandelt – und interessanterweise fällt mir auch heute wieder ein, dass ich schon nach dem ersten Anschalten und den ersten Gehversuchen im damals noch iOS 3.x überwiegend ernüchtert war.

Ich hatte damals ein HTC Diamond. Ein tolles Handy mit einem tollen Display. Nur das OS war Schrott. Windows Phone 6.irgendwas mit Sense UI. Noch nie war mir ein Handy so oft abgestürzt. Aber ehrlich gesagt gab es nach meinem Umstieg aufs iPhone sofort folgende Punkte, die ich mehr oder minder schmerzlich vermisse:
– Es gibt kein Dateisystem. Das ist meiner Meinung nach das größte und gravierendste Problem des iPhone. Wenn ich eine Email mit Anhang bekomme, möchte ich diesen gerne speichern können. Ich möchte Ordner erstellen. Bilder und Dokumente darin ablegen. Hier und da vielleicht mal eine Excel-Tabelle zur Betrachtung. Es gibt einige Apps, die diesen wirklich gravierenden Mangel von iOS zu kompensieren versuchen. Aber es sind eben nur Apps.
– Schnellzugriff zum Beispiel auf Verbindungen. Windows Mobile hatte ein Com-Center. Super praktisch. Bluetooth an/aus. WLAN an/aus. SIM an/aus. Datenverbindung an/aus. Das ist beim iPhone schon etwas komplizierter.
– „Customisierbarkeit“ (uahr, welch ein Wort). Wieso zur Hölle kann ich meinem 700 Euro Handy keine individuellen SMS-Töne einstellen?! Jedes mal, wenn in meinem Freundeskreis eine SMS ankommt, zückt jeder sein iPhone, um nachzusehen. Das nervt!
– Der Zustand der Meldungen ist ein Witz. Mein Windows Phone konnte mir schnell anzeigen, wenn es etwas Neues gab. Man konnte die verschiedenen Meldungen durchklicken, wegklicken oder anzeigen lassen. Wenn mein iPhone mehr als eine Neuigkeit zu vermelden hatte, war die erstmalige fortan im Daten-Nirvana verschollen.
– Sense hatte eine wirklich schöne Uhr im Start-Bildschirm. Das vermisse ich sehr. iOS ist genaugenommen nichts anderes als eine Liste von Apps. Man kann die Symbole ja nicht mal frei anordnen – sind es weniger als 16 auf einer Seite, rutschen alle sukzessive nach oben links – eine Liste, nichts weiter. Mit iOS 4.x kam dann die Möglichkeit, Unter-Listen zu erstellen. Aber ehrlich gesagt finde ich die Lösung hässlich, nichts weiter. Mir fehlen Widgets. Sehr sogar.

Andere Anbieter sind auch nicht die Lösung in Tüten. Gerade von Windows Mobile und nun Windows Phone 7 halte ich wenig bis nichts. Die Tiles sind eine interessante Idee, zugegeben. Aber der Rest des UI ist einfach mist. Was mich gerade wirklich überrascht, ist nicht unbedingt Android, sondern vielmehr Sense darüber. Android halte ich für sehr vielseitig, allerdings auch etwas zu verfranst an den Enden. Da ist Apple besser aufgestellt. iOS ist zwar spartanisch, aber dafür rund. Aber wenn man mal einige Zeit die Vorzüge der Schlichtheit – aber eben auch der Einschränkung – erlebt hat, wünscht man sich doch hin und wieder auch etwas Tiefgang. Und Tiefgang ist nun wirklich nicht, womit iOS in irgendeiner Form glänzen könnte. Denn nur bei meinem 6210 vor zehn Jahren war ich schneller an den Grenzen der Untermenüs, als beim iPhone.

Das Update auf iOS 5 hat mir in der Tat hier wieder etwas Hoffnung gemacht, allerdings glaube ich, dass das allermeiste davon viel zu spät kommt. Ich bin mir nicht sicher, ob die Änderungen ausreichen werden, um mich als Kunden langfristig an Apple zu binden. Mir fehlen einfach zu sehr das Datei-System, eine durchdachte Oberfläche (Notizen sind dazu da, gesehen zu werden und nicht hinter einem von 128 App-Icons zu lauern) und die Möglichkeit, mein Handy an meinen persönlichen Geschmack und mein Empfinden von Ästhetik anzupassen.

Apple hat grandiose Arbeit geleistet und war mit seinen iPhones lange Zeit unangefochtener Pionier in Puncto Qualität, Leistung und Innovation. Das erste iPhone hat den weltweiten Schritt zum Durchbruch der heutigen Smartphones eingeläutet. Aber in der Zwischenzeit hat sich an iOS an sich fast nichts getan und Apple hat sich von der Konkurrenz, die auf den von Apple zweifellos gestarteten Zug aufgesprungen ist, längst rechts überholen lassen. Apple hat viel zu viele Entwicklungen verschlafen – gerade was das UI angeht – und muss sich jetzt an der Vielseitigkeit der neuesten Androids messen lassen.

Und wenn ich mir all das so ansehe, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass mein nächstes Handy eher ein Android sein wird – vermutlich mit Sense – denn ein weiteres iPhone, auf dem ich meinen Email-Anhang nicht speichern kann.
Ach und von Flash-Inhalten will ich erst gar nicht sprechen…