Beim Lesen der Meldung, dass die Polizei einen Mordanschalg der Salafisten auf den Pro-NRW-Chef vereitelt hat, dachte ich für wenige Momente „Na und? Wenn Pest und Cholera sich gegenseitig plattmachen würden, wäre ich der letzte, der heult.“ Aber nur für wenige Momente. Denn ganz klar ist dies: die teuer bezahlte Errungenschaft unseres Rechtsstaates macht keine Ausnahmen. Und eben das ist die Messlatte, das ist das Ideal, mit dem wir messen und uns messen lassen können. Dieser Rechtsstaat ist das Sinnbild, die Manifestation der Zivilisation im Sinne von Zivilisiertheit. Und deswegen kann und darf es keine willkürlichen Ausnahmen geben. Zumal der Geist frei ist. Die Ansichten eines jeden Menschen, eines jeden Mitglieds in diesem Rechtsstaat sind frei. Und einzig Verletzungen der Regeln dieses Systems können und dürfen geahndet werden. Denn dafür ist diese kulturelle Errungenschaft viel zu wertvoll. Das bedeutet, dass selbst dann, wenn sich zwei verfeindete Gruppen, die sich jeweils außerhalb dieses Rechtsstaates sehen und ihn erklärtermaßen bekämpfen und überwinden wollen, gegenüberstehen und bekämpfen, natürlich der Rechtsstaat schützend einschreitet. Dabei darf eines nicht missverstanden werden: das System beschützt dabei weder den PRO-NRW-Chef, noch, wenn es mal andersherum aussieht, irgendeinen Salafisten. Das System beschützt sich selbst und seine Prinzipien!
Denn wenn Pest und Cholera einen Krieg starten, weiß niemand, welche Schlachtfelder und Verwüstungen sie hinterlassen – und ob ihnen dann nicht vielleicht bald Masern und Schnupfen folgen wollen. Das Gewaltmonopol muss in Händen der Exekutive bleiben.
Das sind dann so Momente, in denen mir die wirkliche Bedeutung unseres Rechtssystems – so fehlerhaft und willkürlich es hin und wieder auch sein kann – wirklich bewusst wird. Wir haben da eine sehr wertvolle soziale/evolutionäre Errungenschaft. Und in gewissem Rahmen können und sollten wir darauf auch durchaus stolz sein!