Hallo, liebe Freunde,
ich möchte Euch an dieser Stelle gerne einmal von einer Unterhaltung berichten, die ich vor einiger Zeit am Kölner Hauptbahnhof geführt habe.
Ich saß, auf meinen Zug wartend, etwas in mich zusammen gesunken und konzentriert meiner Musik lauschend am Bahnsteig. Irgendwann kam eine jüngere Frau – ich schätze sie auf 30 – des Weges. Sie trug zwar etwas schmutzige, aber deutlich recht neue und modische Jeans, Turnschuhe, ein nettes Oberteil und ne ganze Menge Schmuck. Alles, was nicht ins Bild passte – was mir auch erst aufgefallen war, als sie dann ihre Stimme an mich gerichtet hatte, waren ihre rot unterlaufenen Augen.
„Hast du vielleicht was Bargeld für mich? Ich hab Hunger und will was essen“, wurde ich nun angebettelt. Einen kleinen Moment sah ich sie an und beschloss dann – schon aufgrund meiner extrem heftigen Erfahrungen mit unglaublich unverschämten und dreist aufdringlichen Bettlern hier am Kölner Hauptbahnhof, dass sie mich wohl am Ehesten wieder in Ruhe meine Musik hören lassen würde, wenn ich ihr etwas gebe. Ich wühlte also in meiner Hosentasche und kramte ein 20 Cent-Stück heraus – auch ich war wie eigentlich immer mal wieder etwas knapp bei Kasse (und wollte mir später auch noch etwas zu Essen kaufen können). Ich legte es ihr in ihre fordernd vor mein Gesicht ausgestreckte Hand. Sie beäugte die Münze einen Moment und maulte dann „Ist das alles?“
Und da platzte mir ja innerlich der Kragen. „So, und jetzt will ich mein Geld wiederhaben!“ gab ich zurück. Sie sah mich nur ungläubig an.
Ich fuhr fort: „Du bettelst und erniedrigst dich hier, schnorrst das Geld von anderen. Geld, das andere verdient haben. Geld, von dem auch ich mir eigentlich was zu essen kaufen will. Und jetzt hier den Hals nicht voll zu kriegen ist ja wohl das Allerletzte! Ich will jetzt sofort meine 20 Cent wiederhaben oder ein ‚Danke‘ hören!“ und mit einer kurzen Pause war mir noch wichtig „und endlich wieder in Ruhe gelassen werden!“
Ich starrte in zwei ratlose und irgendwie dumpf dumm glotzende Augen, vernahm dann ein dahingerotztes „Danke“ und wurde dann wieder mir selbst überlassen. Und wieder einmal blieb nur das fahle Gefühl in mir zurück, nicht nur viel zu freundlich zu sein, sondern auch mal wieder Geld zum Fenster rausgeschmissen zu haben. Außerdem ist es deprimierend, wenn man spürt, dass Menschen, denen man etwas erklärt, einfach nichts raffen… und das wirklich grauenhafterweise schlicht und ergreifend wegen ihrer geistigen Beschränktheit.
Ich wechselte zu einer Playlist mit trauriger Musik und sah die Menschheit vor meinem geistigen Auge vor Dummheit sterben. …ein kläglicher Anblick.
Ben.