Ich finde es wirklich spannend. Da sammelt sich seit Monaten, ja fast Jahren ein Datenjungle auf meinen Festplatten an, dem Herr zu werden ich schon lange aufgegeben hatte. Meine Devise war einfach das wenig nachhaltige, nackte Aufrüsten der Speicherkapazität. Den ersten Terabyte hatte ich überschritten lange bevor es Vista gab. Wieso ich das erzähle? Weil ich alles aufgeräumt habe.
Oder meine Küche. Es ist schon nicht so ganz einfach als Single in einem Singlehaushalt mit seinen Vorräten sparsam und nachhaltig umzugehen. Die allermeisten Zutaten, die man sich so kaufen kann (oder eben Fertiggerichte… jaja, immer diese Single-Männer Vorurteile) sind nunmal für 2-3 Personen ausgelegt. Und was sich nicht so gut konservieren lässt, wandert als Überschuss in die Tonne – traurig, teuer und unnötig, aber leider Tatsache. Und so sammeln sich in den hinteren Reihen meines Kühlschrankes und meines Tiefkühlfaches mit der Zeit interessante Überbleibsel aus Zeiten meines Einzuges in Köln an. Wieso ich das erzähle? Ich hab alles aufgeräumt.
Oder mein Kleiderzimmer… …jaaa, ich habe einen Raum, den ich nur als Kleiderschrank nutze. Porno, ich weiß. Leider ist das auch das Verhängnis dieses Raumes. Denn weil ich ihn nicht laufend begehe, sondern nur abends zum Entkleiden (und Ablegen) und morgens (zum wieder Aufheben und) zum Ankleiden, tangiert es mich üblicherweise auch nur peripher, wenn er mal nicht so gaaanz ordentlich ist. (Ehrlich gesagt nutze ich die gesamte mir zur Verfügung stehende Bodenfläche als Kleiderschrank-Erweiterung). Wieso ich das erzähle? Ich hab ihn komplett aufgeräumt.
Und als Bewohner eines fünften Stockes in einem Altbau, den man erst nach Bewältigung von exakt einhundert Stufen erreicht überlegt man schonmal dreimal, ob man wirklich nach unten geht oder nicht. Hinzu kommt, dass ich leichte Tendenzen chronischer Faulheit habe. Kurz gesagt, bei mir sammeln sich Pfandflaschen und der ein oder andere *hust* Pizzakarton. Wieso ich das erzähle? Ist alles entsorgt (gut, vom Geld hab ich mir die nächste Pizza geholt – der Karton liegt natürlich nun wieder hier).
Ich könnte noch einige andere Dinge aufzählen… allerdings möchte ich auf etwas hinaus. Ich habe all dies innerhalb der letzten Wochen erledigt und tendiere dazu, die ein oder andere dieser großen Taten zu wiederholen. All dies, nachdem es jahrelang vor sich hin existiert hatte. Und was ermöglicht mir diesen Fleiß? Ganz klar: mein Vordiplom. Es ist wirklich unglaublich interessant, was man plötzlich noch alles machen kann/muss/will, wenn man eigentlich lernen sollte. Nicht, dass ich mein Studium nicht interessant finde. Im Gegenteil klebe ich immer voller Faszination an meinen Büchern und kann fast nicht genug davon kriegen, weil ich es allen Ernstes so super interessant finde. Aber irgendwie aus irgendeinem unerfindlichen Grund hänge ich dann doch plötzlich wieder da und aktualisiere zum hundertsten Mal mein Profil bei Facebook oder im StudiVZ. Oder ich schneide Bilder von der letzten Party zurecht, kaschiere akribisch Hautunreinheiten auf meinen Fotos, bevor ich sie ins Netz stelle (naja, bei manchen Bildern^^) oder stelle zum zweihundertachtundsechzigsten Mal fest, wie faszinierend doch diese eine Stelle in dem einen Lied von Paul Oakenfold ist und wie stimmungserhebend es ist, dieses Lied immer wieder zu hören und es dann im Kontext des gesamten Albums zu betrachten… oder vielleicht im Kontext verwandter Künstler… oder mir fällt auf, dass ich schon lange nicht mehr auf meinem Keyboard geträllert habe (abgesehen davon, dass ich’s nicht kann). Und ich wollte doch schon seit Monaten mal wieder alle Enterprise Staffeln mit Captain Archer und seiner NX-01 gucken (hab ich gemacht – innerhalb von zwei Wochen). Seit Jahren fristet Half-Life 2 ein Dasein als angestaubtes Meisterwerk auf meiner Festplatte, nimmt Platz weg ohne Ende und sieht als Icon auf meinem Desktop wirklich hübsch aus – ließ sich auch perfekt durchspielen vor ein paar Tagen (die Erweiterungen hab ich mir unter Strafe verboten zur Zeit). Es gibt TAUSEND Dinge, die sowas von scheißegal sind. Tausend Dinge, die plötzlich total wichtig werden. Vielleicht sollte ich die letzten Tage vor meiner Prüfung so richtig genießen und noch schnell all die völlig unwichtigen oder sogar unheimlich unliebsamen Aufgaben erledigen, die ich schon immer noch nie machen wollte, ehe meine Antriebskraft (geboren aus der Flucht vorm Lernen) dann nächste Woche versiegt und ich mich zurückwünsche in diese Zeit der blanken Nervosität.
Aber immerhin muss ich über mich selbst lachen :D
Ich sollte vielleicht nur aufpassen, dass ich den Prüfern nicht aus Versehen etwas über die Strömungserscheinungen in meiner Spülmaschine oder das Klima unterm Dach erzähle, während ich beim Gespräch über Dampfdruck und polare Kaltluft an die vor zwei Jahren abgelaufene Lasagne aus meinem Tiefkühlfach denke. Und die Staubflusen hinter meinen Schränken haben wohl auch nichts mit Verdichtungsräumen zu tun… obwohl sie Ähnlichkeit mit Clusterbildung hatten und ich irgendwie an die Grafiken von Christaller denken musste, als ich sie akribisch weggesaugt habe.
Und bevor ich jetzt die ganze Nacht weiter schreibe, werde ich mir jetzt mal was anderes Sinnloses einfallen lassen… oder lese ich vielleicht doch nochmal ein paar Seiten? Mal sehen ;)
Ben