Schon seit einigen Minuten reißt das Sirenengeheul irgendwo in den Straßenschluchten nicht weit von meiner Wohnung nicht mehr ab. Es mischt sich je nach Windrichtung immer mal wieder zwischen das Lachen der Party gegenüber. Ein lauer Wind weht durch meine nächtlich dunkle Wohnung und sorgt für etwas erfrischende Abkühlung. Mein Blick fällt ein letztes mal auf die Uhrzeit unten rechts am Bildschirm, bevor ich nur noch lese „Windows wird heruntergefahren“. Es ist kurz nach zwei.
Ich strecke mich erschöpft und genieße den Moment als der PC schließlich ausgeht und mit ihm die Lüfter. Doch anstatt der erwarteten Stille dringt nun ein anderes Geräusch an mein Ohr. Eines, das ich zunächst nicht einsortieren kann und daher auch nicht bewusst wahrnehme. Immer öfter kriecht nun das Sirenengeheul aus der Dunkelheit der Nacht jenseits meiner Wohnung an mein Ohr.
Ich begebe mich in die Küche, gieße mir ein Glas Saft ein und verschwinde dann kurz im Bad. Doch irgendetwas stimmt nicht. Ich sehe durch das kleine Fenster den Mond – blutrot. Mein Blick wandert ein Stück nach oben und wundert sich über eine gewaltige, pechschwarze Wolke. Schwärzer als der Rest der Nacht. Und irgendwie sieht sie sehr bedrohlich aus. Viel dunkler als eine Gewitterwolke es jemals sein könnte. Und als mein Blick plötzlich das flackernde rote Licht auf dem Fensterrahmen registriert, klinkt sich auch dieses seltsame Geräusch wieder in mein Bewusstsein. Ein dumpfes Knacken, begleitet von immer wieder kleinen… ja, ich dachte im ersten Moment es seien Windstöße. Alles unterlegt mit einem leisen aber mächtigem, donnerndem Rauschen. Als würde man sein Ohr an einen Kamin halten.
Etwas zögerlich trete ich zum Fenster und erblicke mit einem Mal eine wahrhaft gespenstische Szenerie. Inmitten der dunklen Nacht, vielleicht einen halben Kilometer von meinem Haus entfernt, lodert ein wahrhaft gewaltiges Feuer. Immer wieder blitzt es auf, die Windstöße entpuppen sich als kleine Explosionen, die mit hellen Blitzen und viel Qualm in den Nachthimmel steigen. Das Knacken wird lauter, das Rauschen wird fast zum Grollen, während das Feuer erbarmungslos wie ein riesengroßer Kamin Luft ansaugt und eine gigantische, pechschwarze Rauchsäule in den Himmel speit. Die Sirenen heulen inzwischen ohne Pause aus allen erdenklichen Richtungen heran. Wie gebannt lasse ich den Anblick auf mich wirken. Es scheint fast zum Greifen nahe und ich kann die gewaltige Macht des Feuers beinahe spüren. Das helle, flackernde Licht, das die Häuser ringsum in einen gespenstischen Schein taucht, das laute Tosen der Flammenbrunst, das Knacken der brennenden Wände, das Aufblitzen immer neuer kleiner Explosionen…

Wenig später hat die Feuerwehr den Brand offenbar unter Kontrolle und selbst jetzt, am nächsten Tag, qualmen und dampfen die Reste noch immer gewaltig. Ein beißender Geruch hängt seit letzter Nacht in den Straßen.
Ein interessantes Erlebnis. Sehr erleichternd zu wissen, dass kein Mensch dabei zu Schaden kam…

Ben