Wir schreiben das Jahr 2006. Der Schatten der Abenddämmerung legt sich über das Land und die Welt ist in heimlicher Aufregung – der Jahreswechsel steht unmittelbar bevor. Es war ein seltsames Jahr, viel hat sich verändert, vieles hat geendet. Es gab tolle Momente, unser ganzes Land und all unsere Gäste schwebten in euphorischer Partystimmung zum größten Fest seit vielen, vielen Jahren.
Doch nach jedem Sommer schleicht sich auch wieder ein Herbst ein und die Tage werden grau und dunkel.
So auch dieser. Und ihm sollte eine unruhige Nacht folgen. Viele Nachrichtensender blieben mit regelmäßigen Berichten aus dem Irak wach, stets mit der bangen Ahnung, jeden Moment eine traurige Wendung verkünden zu müssen.
Es entzieht sich meiner Kenntnis, ob der Prozess gegen Saddam Hussein gerecht, menschlich, juristisch korrekt oder wie auch immer vonstatten ging.
Allerdings vertrete ich eine eindeutige Meinung, was die Behandlung eines jeden lebenden Wesens angeht.
Und ich musste einen ersten Würgereiz unterdrücken, als mich dann spätnachts unserer Zeit die ersten Bilder der nun doch bestürzenderweise vollzogenen Ermordnung Saddams erreichten. Ich verhehle hier mitnichten, dass Hussein viele schlimme und unmenschliche Verbrechen begangen bzw. angeordnet hat. Allerdings gibt es nichts auf dieser Welt, was es meiner Meinung nach rechtfertigen würde, einen Menschen gezielt und – und das ist das aller bitterste – mit rechtlicher Legitimation zu töten.
Es gibt keinen tieferen Punkt, zu dem eine Gesellschaft sinken kann, als der Vollzug einer Todesstrafe – Sinnbild für das fundamentale Versagen einer, ausgewiesenermaßen auf Wahrung der Menschenrechte ausgerichteten Gesellschaftsform. Bitter!
Und ebenso bitter, aber kaum verwunderlich oder überaschend, war im Laufe des Tages das Echo aus den Vereinigten Staaten. „Ein Meilenstein in der Geschichte dieser jungen Demokratie“ hörte ich den Übersetzer Präsident Bush zitieren. Und wiedereinmal verblüfft uns Bush mit seiner erschreckend zurückgebliebenen Sicht der Dinge… und wieder einmal überkommen mich arge Sorgen, dass das derzeitig im Irak aufgestellte Regime, wegen seiner ideologischen Nähe zu nordamerikanischen Sozialvorstellungen, ebenso grausam ist für die Bevölkerung, wie das vorherige.
Die Welt steht am Rande eines Abgrundes. Und juristisch legitimierte Morde sowie deren Lobpreisung von westlichen(!) Regierungen (die nicht müde werden, sich unter dem Deckmantel der „Wahrung der Menschenrechte“ agressiv-expansionistisch und kapitalistisch in der Welt aus zu breiten) tun ihren Beitrag, um den Moment des Sturzes zu beschleunigen.
Ben