Ein Hoch auf die Privatisierung – auch von Bahnstrecken. Privatisierung heißt Optimierung. Die werte Keolis – die Eurobahn-Betreiber – treibt das Spiel der Optimierung dabei jetzt deutlich und entschieden zu weit! Im RE13 von Hamm in Richtung Venlo sammeln sich zwischen sieben und acht Uhr morgens die ganzen Pendler, die von Wuppertal und Umgebung nach Düsseldorf wollen. Üblicherweise hatte die Keolis in den letzten Wochen einen Doppelzug betrieben. Und der war schon immer viel zu klein für all die Fahrgäste. Heute morgen aber kam die Keolis auf die wundervolle Idee, einfach mal nur einen Einzelzug für diese Strecke einzusetzen… der Zug war so voll, dass man sich NICHT MEHR BEWEGEN KONNTE! Gar nicht! Das glich einem Guinnes-Rekord. Wer 16 Menschen in einen Smart quetschen kann, hätte heute Morgen in dieser Bahn seinen Meister gefunden.
Ja, und dann ist jemand kollabiert. Hat nur erst keiner gemerkt, weil der arme Kerl keinen Platz hatte, umzufallen. Irgendwann wurde dann aber doch klar, dass etwas nicht stimmen konnte, weil der Körper des Mannes zusammensacken wollte. Man stelle sich diese Situation vor. Ein bewusstloser Mann, fest eingequetscht zwischen hunderten anderen Menschen. Es gibt keinen Sauerstoff mehr, es stinkt und es ist heiß. Die Fenster sind beschlagen, die Bahn ruckelt und wackelt, ständig wird die Masse hin und hergewiegt. Dem Mann konnte keiner wirklich helfen, weil es keinen Platz dazu gab. Man konnte nur versuchen, ihn davor zu bewahren, zwischen die Füße aller anderen zu sacken. Da sich aus Platzmangel auch keiner bücken konnte, hätte man dann GAR nichts mehr für ihn tun können. Nach einiger Zeit war es möglich, ihn zu einem nicht allzu weit entfernten Sitzplatz zu bringen. Viel mehr habe ich nicht mitbekommen, weil ich nichts mehr sehen konnte – es war zu voll.
Aber inzwischen bin ich mir sicher – die Eurobahn will uns töten. Große Leistung, Keolis!