Kurzes Protokoll:
Mittwoch, Datum zensiert, Köln Deutz. Durchsage: „Sehr verehrte Fahrgäste. Der RegionalExpress nach Münster hat wegen schlechten Wetters derzeit 45 Minuten Verspätung.“ und später dann „Sehr verehrte Fahrgäste. Der verspätete RegionalExpress der Linie sieben nach Münster fährt jetzt auf Gleis 2 ein.“ (dass es in Wirklichkeit der RegionalExpress nach Hamm war, zählt ja hier nicht – und wurde auch weder gesagt noch an der Tafel angezeigt. Hauptsache ein Zug und Hauptsache Gleis 2. Und immerhin fährt dieser. Was ja schonmal viel wert ist. Da wird das Ziel dann echt zur Nebensache – dass es anschließend noch fast drei Stunden länger dauerte, bis ich zu Hause war, ist ja auch fast egal).
Montag, Datum zensiert, Wuppertal HBF. Durchsage: „Sehr verehrte Fahrgäste. Wegen eines Triebwerkschadens kann dieser Zug die Fahrt nicht fortsetzen. Reisende nach Köln können stattdessen den Zug auf Gleis 3 nehmen.“ (der übrigens nach Venlo fuhr. Aber vielleicht weiß die Bahn mehr als ihre Fahrgäste – vielleicht wollten die alle eigentlich in Wirklichkeit nach Venlo. Fast schade, dass ich nicht die Gesichter der Unwissenden sehen konnte, die tatsächlich eingestiegen waren und sich dann irgendwann in Venlo auf die Suche nach einer Doppelturm-Kathedrale gemacht haben).
Dienstag, Datum zensiert, Wuppertal HBF. Durchsage: „Sehr verehrte Fahrgäste. Wegen eines Triebwerkschadens fällt der RegionalExpress der Linie vier in Richtung Aachen aus.“ Diese Info kam eine Viertelstunde nach der eigentlichen Abfahrtszeit des Zuges. Danke, Bahn!
Kurzes Protokoll Ende.

Was war das heute wieder ein herrlicher Tag. Da will man völlig unbedarft einfach mal nach Köln fahren und denkt sich nichts schlimmes, als plötzlich der Zug in Wuppertal stehen bleibt. Einfach so. Und als erfahrener Bahn-Kunde muss man ja dauernd einen immanenten Würgereiz unterdrücken denkt man ja dann gleich wieder an einen Triebwerkschaden (siehe oben) oder vielleicht schlechtes Wetter (siehe noch weiter oben) oder vielleicht die CDU (siehe viele Beiträge vorher). Da man aber mal wieder einfach keine Information bekommt, ist man auf Hörensagen angewiesen. Ich sperrte also meine Ohren auf, stets auf der Suche nach Wortschnippseln wie „Terroranschlag“, „Regimewechsel“, „Bahn-IPO“, „Krötenwanderung“ oder „Blitzeis“. Vergeblich. Stattdessen kam mir irgendwann zu Ohren, dass wohl irgendwelche Nazis in Wuppertal aufmarschiert sind inklusive Gegenaufmarsch. Eine Stilblüte par excellence deutscher Gesellschaft also. Hätte man ja auch drauf kommen können. Warum deswegen aber – wie die Anzeigetafeln dann nämlich plötzlich anzeigten – der „Zugverkehr eingestellt“ werden musste, verwunderte mich dann doch. Hatte die Gegendemo etwa wirklich damit begonnen, die Nazis endlich auf die Schienen zu schmeißen?
Was auch immer der Grund sein mochte, Elberfeld (und damit eben auch der HBF) waren allem Anschein nach komplett lahmgelegt. Restlos, kompromisslos und leider eben auch ersatzlos. Und da stehen nun die Massen(!) auf den Bahnsteigen. Informations- und orientierungslos.
Ich meine, gut, im Gegensatz zu den Triebwerksschäden und dem schlechten Wetter kann die Bahn natürlich nichts für eine Demo quer über die Gleise (äh…), aber die Inf… was? was die Bahn für schlechtes Wetter kann? Abgesehen davon, dass sie eh alles schuld ist, im ersten Moment natürlich nichts. Aber sie kann sehr wohl etwas dafür, das als Ausreden benutzen zu müssen. DAS ist echt peinlich. Ja. Zurück zur Informationspolitik der Bahn. Denn es ist das Mindeste, den Fahrgästen vielleicht mal zu sagen, was los ist. Und darüber hinaus vielleicht ein paar Lösungen anzubieten. Und nicht – nach 45 Minuten Stillstand und hinausgeworfenen Fahrgästen – eine kurze Ansage vom Fenster des Führerhauses zu machen und zwanzig Sekunden später abzufahren.
Witzig war auch, dass dann irgendwann plötzlich zig mal die S8 kam. Innerhalb weniger Minuten. Oder ein RegionalExpress nach ‚Bretterzaun hinterm Arsch‘ hatte „wegen Störungen des Betriebsablaufes dreißig Minuten Verspätung“ – woraufhin fast alle wartenden Fahrgäste vom Bahnsteig verschwanden, um sich vielleicht nen Kaffee, ne Zeitung oder nen Baseballschläger zu kaufen. Und dann – zwei wundersame Minuten später – war der Zug dann doch da. Ganz still und heimlich. Keine Ansage seiner Ankunft. Nichts. Nur ein kurzer Hinweis, dass der Zug jetzt abfährt – ein paar Augenblicke, nachdem seine Rücklichter schon hinter der nächsten Biegung wieder verschwunden waren. Was dann viele hektische Leute zur Folge hatte, die abgehetzt zurück zum Bahnsteig gehetzt waren. Für nichts.
Wie lange muss man sich diesen Haufen von Dilettanten eigentlich noch ansehen?