Pages Menu
Twitter
Categories Menu

Gepostet by on Mrz 25, 2010 in Ausraster, Gesellschaft, Hintergrund, Medien, Politik, Religion | Keine Kommentare

Türkische Gymnasien?

Türkische Gymnasien?

Oha, ich weiß, dass ich hier ein echt heikles Thema anfasse… und über die Hintergründe dieser Tatsache könnte ich mich seitenweise auslassen, was aber hier viel zu weit führen würde. Problem hierzulande ist aber nunmal unbestreitbar, dass man, sobald man sich zu Themen wie Integration, Ausländern etc. äußert und auch nur einen Hauch kritischer Tendenzen zeigt, unheimlich schnell in die rechte Ecke gedrängt wird. Allerdings gibt es einen unglaublichen Unterschied zwischen Patriotismus einerseits (den die Deutschen systematisch verlernt haben) und denjenigen debilen Vollidioten, die sich selbst dem Nationalsozialismus, der Fremdenfeindlichkeit und Rassenidiologie zuschreiben und das auch noch gut finden (inklusive aller, jeder Beschreibung spottender Verbrechen der Vergangenheit – nicht nur in Deutschland). Hier fehlt das Bewusstsein für den Unterschied. Denn was ich nun sage, gilt in unserem Land als „schlechter Ton“, „politisch inkorrekt“ oder sogar „bedenklich rechts“. Gesundheit!
Denn ich möchte an dieser Stelle auf die Forderung des zunehmend immer seltsamer anmutenden türkischen Regierungsclowns Erdogan eingehen nach türkischen Gymnasien und Universitäten in Deutschland. Also ich weiß nicht, aber war es nicht Ziel unserer Gesellschaft, Einwanderer auch einzubürgern? Ich sehe in sprachlich separierten Schulen allenfalls viel Potential für deutliche Ausgrenzung. Sicher kann es gut sein, dass türkisch-sprachige Kinder auf Schulen ihrer „Muttersprache“ besser lernen können, als auf einer deutsch-sprachigen Schule… aber sorry (vorsicht, knüppelhart), wer auf eine türkische Schule gehen will, kann ja auch in die Türkei gehen. Denn wir sind hier in Deutschland. Deutsches Land, deutsche (christliche) Kultur, deutsche Sprache! Peng!
Und die Frage der Integration von Menschen beruht auf zwei Faktoren: der Integrationsfähigkeit der Gesellschaft auf der einen Seite und der Integrationsbereitschaft(!) der zu Integrierenden auf der anderen. Und hier liegt auch eines der allergrößten Probleme. Denn – und hier berufe ich mich ganz alleine auf meine subjektiven Eindrücke, die ich in meinem noch recht jungen Leben sammeln konnte gerade mit türkischen Leuten – diese Bereitschaft ist praktisch nicht vorhanden. Als Bürger dieses Landes und Mitglied dieser Gesellschaft und unserer – zugegebenermaßen – recht schwachen Kultur, fühle ich mich durch das forsche Auftreten, die fast agressive Expansion religiösen Brimboriums und diese Kompromisslosigkeit gerade der Türken in meiner – unserer – kulturellen Identität bedroht. Ach und mit schwacher Kultur meine ich schlicht, dass wir – meiner Meinung nach – in unserem Land neben einem sowieso fast nicht existenten (weil verpönten) Nationalgefühl auch noch eine recht schwache gemeinsame kulturelle Identität teilen. Es mangelt irgendwie an Gemeinschaftsgefühl. Das bringen gerade die Türken mit, wofür ich sie auch auf gewisse Weise bewundere – wobei das auch mit am Status als „Minderheit“ liegen mag. Ein sehr komplexes Gebilde. Und die Türken, die ich kenne, vertreten ihre sozialen, religiösen und ideologischen Vorstellungen selbstbewusst und eben kompromisslos. Die Behandlung von Frauen (und das hab ich nunmal miterlebt) beispielsweise treibt mich regelmäßig zur Weißglut. Sowas sind gesellschaftliche Werte, die mit unserer Kultur hier nicht vereinbar sind. Und es besteht kein Interesse der Anpassung. Und wenn es insgesamt schon so schwierig ist, ein Miteinander zu erreichen – was ja glücklicherweise oftmals schon gelingt, wenn beide Seiten ein bisschen Menschenverstand mitbringen und merken, dass wir alle dieselbe Luft atmen, unsere Kinder beschützen wollen, in unseren Adern das gleiche Blut fließt und wir alle Teil dieser Welt sind – halte ich es für grundfalsch, diese Tendenz der Abschottung noch zu fördern, in dem man für Ausgrenzung sorgt mit verschiedenen Schulen. Denn gäbe es türkische Schulen und Universitäten, gäbe es innerhalb kürzester Zeit ganze türkische Städte. Städte in Deutschland, in denen die native Sprache nicht mehr deutsch ist. Von hier ist es dann nur noch ein kleiner Schritt zur Anpassung der Amtssprache (soll ja genauso erleichternd sein, wie zunächst die Schulen). Diese Büchse der Pandora dürfen wir, im Sinne unserer nationalen Identität, niemals öffnen. Und die Forderung eines anderen Regierungschefs eben danach ist eine bodenlose Unverschämtheit.
Achja, genauso, wie es eine verquere Mischung gibt von rechtsradikalem Hirnpilz einerseits und nationaler Identität andererseits gibt es auch eine merkwürdige Verwechslung von linksextremem, sozialistischem Gedankenwust und einer gesunden Portion Allgemeinwohl.
Denn nur im Sinne linker Positionen eine Vollmitgliedschaft der Türkei in der EU anzustreben völlig ungeachtet sozialer und religiöser Gefahren, ist ebenso falsch und dumm, wie eine kategorische Ausgrenzung. Ich frage mich in solchen Situationen stets, ob die Menschen verlernt haben, auch politische Fragen fernab dieses völlig bescheuerten, eindimensionalen links/rechts-Schwachsinnes zu erfassen und zu beurteilen. Denn das wäre hier mal wieder angebracht. Es gibt auf die Frage nach Integration keine rechte oder linke Antwort. Diese dämliche schwarz/weiß-Malerei ist eines der größten Hindernisse auf dem Weg des politischen und sozialen Fortschritts.
Um noch ein letztes Mal zum eigentlichen Thema zu kommen. Nein, es wird hier keine türkischen Gymnasien geben, Herr Erdogan. Denn hier sind die Menschen darin bemüht, Einwanderer und deren Nachkommen einzubürgern, in unserer Mitte aufzunehmen. So schwer das auch bisweilen sein mag für alle Beteiligten. Und das Argument, es gäbe schließlich auch deutsche Schulen in der Türkei ist dermaßen armselig, dass es abermals den intellektuellen Horizont Erdogans beweist – denn das ist allenfalls ein Zeichen für die Ausgrenzung und Intoleranz, die Deutsche und Christen in der Türkei erfahren.
In diesem Punkt bin ich übrigens erstaunlicherweise sogar einmal froh, zur Zeit diese Regierung zu haben (ist aber wirklich der einzige Grund), weil ich diesen Teil der Absichten des linken Lagers unserer deutschen Politikwelt für völlig schwachsinnig halte.
Aber bevor ich jetzt hier anfange, über unsere derzeitige sogenannte Regierung unter Beteiligung der gelben Korruptionspartei und ihrerseits unter der sogenannten Führung ihres quengelnden, unreflektierten Schreihalses zu schreiben, schließe ich lieber.

Nachtrag – Zitat Spiegel.de:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,685512,00.html

„Dass er ein besonderes Augenmerk auf seine im Ausland lebenden türkischen Landsleute hat, bewies Erdogan auch kürzlich bei einem Treffen in Istanbul. Mit seiner konservativ-religiösen AKP-Regierung hatte er aus ganz Europa rund 1500 türkischstämmige Politiker eingeladen. Die Botschaft lautete: Im Ausland lebende Türken sollten die Staatsbürgerschaft ihrer neuen Heimat annehmen, aber nicht in erster Linie um sich dort zu integrieren, sondern um im Sinne der Türkei politisch aktiv zu werden.“

Was mir dazu gerade für Worte einfallen, schreibe ich hier nun lieber nicht. Ich fasse meinen Gedankengang dazu mal wie folgt zusammen: diesen Mann finde ich hochgefährlich! An Merkels Stelle würde ich die Türkei-Reise absagen. Das wäre mal ein Statement und eine andere Sprache scheint dieser blinde Spinner ja nicht mehr zu verstehen!
Angefressenst…
Ben

Nachtrag 2 – Kommentar:
Was mir dazu noch einfällt, sind zwei Gedankengänge: glaubt Erdogan erstens vielleicht ernsthaft, seinen türkischen Landsleuten in ausländischen Regierungen damit einen großen Dienst zu erweisen? Damit bereitet er doch eher den Weg für einen Generalverdacht gegenüber allen türkischen Mitgliedern in der Politikwelt (Frau Lale Akgün und Herr Cem Özdemir sind da die ersten beiden und wohl auch prominentesten Vertreter, die mir da auf Anhieb einfallen). Das ist eine Ungeheuerlichkeit!
Zweitens möchte ich mir lieber nicht vorstellen müssen, wie es einem europäischen – sagen wir katholischen – Politiker in der türkischen Regierung ergehen würde, käme zu Tage, dass all seine Aktionen nicht im Sinne türkischer, sondern katholisch europäischer Interessen motiviert waren.

Anhang – Link zum Thema auf Welt.de:
http://www.welt.de/politik/ausland/article6911190/Erdogans-mysterioese-Euro-Tuerken-Konferenz.html?page=10#article_readcomments
In einem der Kommentare wird – nicht ganz zu unrecht, wie ich finde – von Nähe zu einer „Kriegserklärung“ und Aufruf zum Hochverrat gesprochen. Und wer als Politiker ein Land mit solch einem Regierungschef in die Mitte unserer Gemeinschaft holt, macht sich selbst des Hochverrats schuldig!

Keine Kommentare

Trackbacks/Pingbacks

  1. Erdogan proofs Dumbocracy | No Comment - [...] Erdogan spricht sich bei Besuchen in Deutschland in großen Arenan auf martialische Weise vor tausenden “Landsleuten” immer wieder dafür…

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: