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Gepostet by on Jun 6, 2008 in Bildung, Gesellschaft, Hintergrund, Kapitalismus, Philosophisches, Politik, Universität | Keine Kommentare

Studiengebühren und der Steuerzahler

Studiengebühren und der Steuerzahler

Was lese ich da gerade als Argument der CDU für die Studiengebühren bzw. als Kritik daran, dass sie in Hessen nun endlich schon wieder abgeschafft wurden? „Jetzt muss der arme Steuerzahler wieder für die Ausbildung der Akademiker aufkommen.“

Und jetzt wollen wir uns mal ein wenig Zeit nehmen und gemeinsam einfach ein paar ganz grundlegende Dinge erkennen.
Der Steuerzahler kommt für die Ausbildung der Akademiker auf – der Akademiker macht seinen Abschluss und bekommt einen Job. Und durch seinen akademischen Abschluss (den der Steuerzahler ihm ja finanziert hat) hat er einen besser bezahlten Job als diejenigen ohne akademischen Abschluss (den der Steuerzahler auch nicht finanzieren musste). Durch sein nun höheres Gehalt leistet er plötzlich aber auch einen entsprechend höheren Beitrag für die Staatskasse – huch… und er finanziert mit seinem höheren Einkommen auch die Renten derjenigen, die in ihrem Leben viel weniger in die Rentenkasse eingezahlt haben – weil sie keinen Akademischen Abschluss hatten (die der Steuerzahler ihnen hätte finanzieren müssen).
Geht so ganz langsam ein Licht auf?
Wir sind hier in einem Sozialstaat. Alle sitzen im selben Boot und alle leisten ihren Beitrag. Und manche Gelder fließen von hier nach da und von dort nach hier. Das ist die Essenz des MITEINANDER. Etwas, was die CDU seit Ewigkeiten versucht, auszuhöhlen. Für die CDU gilt das Credo „kollektiver Egoismus“. Und in solch einer Gesellschaft will ich nicht leben müssen.
Daher schlage ich vor, wenn die CDU schon Studiengebühren durchsetzt (und somit für mehr „finanzielle Gerechtigkeit“ *hust* sorgen will), dann sollen auch die Renten und alle(!) anderen Sozialleistungen dem Grad des akademischen Abschlusses angepasst werden. Weil ich dann, nachdem ich mich fünf/sechs Jahre als Student durchs Leben gequält habe (zu Einzelheiten komme ich gleich), nämlich KEINE Lust mehr habe, durch meine höhere steuerliche Leistung all jene mitzufinanzieren, die keinen Bock hatten, meine Ausbildung zu unterstützen.
Wer sich heutzutage entscheidet, zu studieren sieht sich mit mehreren Problemen konfrontiert. Erstens: wie treibe ich die 1400 und mehr Euro Studiengebühren und Semesterbeiträge jedes Jahr auf? Wenn man mit teils 600/700 Euro (was schon viel ist) im Monat für ALLES (Miete, Heizen, Strom, Essen, Bücher, Kleidung, etc.) auskommen muss, ist dies eine Frage von essenziell existentieller Bedeutung. Eine Lösung ist es, neben dem Studium arbeiten zu gehen. Aber den angehenden Mediziner oder Architekten möchte ich mal sehen, der es schafft neben seinem Studium noch zu arbeiten. Denn die Anforderungen an die Studenten heute sind fast unmenschlich. Da sieht man sich nach neuen Regelungen mit der Gefahr konfrontiert, exmatrikuliert zu werden, wenn man eine Klausur zuviel nicht besteht… ein Druck, den ich persönlich für absolut unnötig halte und der das Studium nur noch unattraktiver und abschreckender macht.
Zu Studieren ist heute nicht mehr der Easy-Weg (geiles Studentenleben und so), sondern eine harte, finanzielle wie auch persönliche und psychologische Herausforderung.
Und wenn man da dann mal durch ist, sitzt man vielleicht sogar noch vor einem gigantischen Schuldenberg (Studiengebührenfinanzierung oder gar der Studienkredit, den die Landesregierungen ja geschickterweise gleich mit den Studiengebühren mit eingeführt haben – ich nenne das groteske und verbrecherische Ausbeutung). Und als wäre das nicht genug, darf man dann mit seinem höheren Einkommen den Sozialstaat mitfinanzieren – und zwar zu weit größerem Maße als jene ohne akademisches Gehalt.

Wir können uns entscheiden zwischen „Alles meins, und ich geb NICHTS davon ab“ und „Wir alle leisten unseren Beitrag, denn gemeinsam sind wir stärker“.
Studiengebühren sind ganz glasklar und eindeutig ein Schritt zum Egoismus.
Unsere Kultur fährt gerade mit Volldampf den Berg herunter an dessen Fuß das Tor zur Hölle steht. Und irgendwie scheint sich wegen des Fahrtwindes jeder die Augen zu zu halten.
Ben

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