Pages Menu
Twitter
Categories Menu

Gepostet by on Jul 23, 2016 in Gesellschaft, Philosophisches | Keine Kommentare

Reden rettet keine Menschenleben

Man sagt, vom Reden werden keine Menschenleben gerettet. Das stimmt leider. Bei der Frage, was der Einzelne, was ICH tun kann, bin ich schon sehr oft völlig verzweifelt an viele Grenzen gestoßen. Wir sind als Mitglieder der westlichen Welt so eng verzahnt mit den Mechanismen dieser westlichen Welt, dass es kaum möglich ist, wirklich etwas zu verändern. Aber es gibt viele kleine Dinge, die man tun kann. Und das ist zum Beispiel auch das Konsumverhalten. Wenn man Kaffee kauft, sollte man auf Fair Trade achten (abgesehen davon, dass es wahnwitzig ist, dass ein Kilo Fair Trade Kaffee oft viel günstiger ist, als die gleiche Menge diese widerlichen Umwelt-Vermüllungs-Kapseln mit Kaffee zweifelhafter Herkunft drin), oder nicht mehr bei so Verbrechern wie Primark einkaufen. An dieser Stelle höre ich oft das Argument „Ja, aber das kann man sich ja gar nicht mehr leisten heutzutage“. Stimmt, und das ist ja auch so gewollt. An dieser Stelle entgegne ich dann zwei Dinge: Erstens „ja, dann überlege bei der nächsten Wahl mal GANZ genau, wen du wählst!“ und zweitens: „was ist dir persönlich denn wichtiger? Anständiges Konsumverhalten – dafür nur zwei T-Shirts im Schrank und vielleicht etwas komisch rüberkommen – oder auf Kinderarbeit scheißen und dafür den coolsten Scheiß tragen und bei allen anderen gut ankommen?“ Wir haben ein so widerlich verdrehtes Realitätsverständnis, dass es wirklich schwierig ist, sich überhaupt noch richtig orientieren zu können.
Eine weitere wirklich abartige Blüte ist dieses unsägliche E10-Benzin. Abgesehen davon, dass der Motor viel mehr davon braucht um die selbe Leistung zu erbringen als wenn man ihn einfach weiter mit Super95 tankt (Preis/Leistung ist also schlechter! – merkt Otto-Normal-Tanker aber nicht, weil er kaum Statistiken über sein Tankverhalten führt), werden dafür viele zigtausend Hektar Land, was sonst für Nahrung genutzt würde, für Benzin verwendet. Während Millionen Menschen hungern. Das ist so abartig, dass mir da wirklich die Worte fehlen. Und in solchen Momenten hasse ich die Menschheit und ihren ungezügelten Egoismus.
Wie gesagt, wir können nicht viel machen, wenn wir nicht gerade komplett aus dem System aussteigen. Aus einem System, das neben all der Finsternis ja auch viele Vorteile bietet wie zum Beispiel die Gesundheits- und die Sozialversorgung. Zwei beispiellose Errungenschaften moderner Zivilisation. Deswegen möchte ich unsere westliche Kultur nicht in Gänze verteufeln. Nur ihre in weiten Teilen angenommene Maßlosigkeit. Und dieser Maßlosigkeit können wir uns widersetzen. In kleinen Schritten. In kleinen Dingen. Und wenn ich an dieser Stelle das Argument höre „Ja, aber wenn das nur ein paar machen bringt es überhaupt nichts.“, antworte ich „Stimmt, wenn es nur ein paar machen, bringt es überhaupt nichts. Aber wenn ein paar damit anfangen, sehen andere, dass ein paar damit angefangen haben und machen vielleicht mit. Unterschätze niemals die große Macht des Vorbilds. Außerdem, worum geht es dir denn wirklich? Um Wirkung? Oder vielleicht darum, ob du dich im Spiegel ansehen kannst?“

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: