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Gepostet by on Mrz 13, 2011 in Gesellschaft, Kapitalismus, Politik, Technik | Keine Kommentare

Politische Folgen des japanischen Atom-Unfalls

Politische Folgen des japanischen Atom-Unfalls

Es scheinen wirklich ganz vollständig unterschiedliche Ansichten zu existieren, was Bedeutung, Relevanz und Notwendigkeit der hiesigen politschen und gesellschaftlichen Konsequenzen des Atom-Unfalls in Japan angeht. Die FTD stellte jüngst eine Sammlung all derer Artikel zusammen, die sich reichlich entrüstet über „den populistischen Opportunismus der Opposition“ echauffieren, indem sie die beispiellose Katastrophe in Japan nutze, um die Bevölkerung in der hier stattfindenden Atom-Debatte auf ihre Seite zu holen und gar bessere Ergebnisse bei den anstehenden Landtagswahlen zu erschleichen. Gar wichtigeres und notwendigeres sei jetzt geboten – das habe beispielsweise der Bundespräsident erkannt und dem japanischen Volk sein Mitgefühl ausgesprochen und Hilfe zugesichert.

Und jetzt muss ich erst einmal den Atem anhalten, und bemühe mich, das ganze so sachlich, wie mir möglich, Stück für Stück aufzurollen. Einen Glückwunsch an Herrn Wulff, der – ganz in seiner ihm ureigenen Tradition der restlosen Glanzlosigkeit – erkannt hat, was Tatsache ist. Natürlich hat das japanische Volk unser Mitgefühl. Herrgott, was denn auch sonst?! Und natürlich sagen wir ihnen unsere Hilfe zu. Das gehört sich unter Menschen so. Herr Wulff ist in diesem Fall natürlich derjenige, der eben dies aussprechen muss (obwohl es auch ohne seine Worte eine Selbstverständlichkeit ist). Dass aber nun vereinzelt Pressestimmen diese schlichte Benennung der Realität als korrekte Folgehandlung der Katasrophe in Japan hochloben, ist grenzwertig hirntot.
Viel schlimmer ist in diesem Zusammenhang, um der zahlkräftigen Lobby im Hintergrund auch weiterhin schön fleißig den Hof zu machen, alle mehr als nötigen Warnungen der Opposition vor der Atomenergie als opportunistischen Populismus abzuwerten.
Wann, wenn nicht jetzt, ist denn die weitgehend intelligenzfreie Größe namens der „Wähler“ aufnahmefähig für dieses Thema? Ist es doch seit mindestens 25 Jahren erschreckend, wie gleichgültig die Bevölkerung es hinnimmt, dass in ihrer Nachbarschaft eine Maschinerie arbeitet, die potentiell innerhalb weniger Stunden ein ganzes Land unbewohnbar machen kann. Diese Tatsache, dass es der Wähler der Politik noch immer gestattet, diese Technologie weiterhin zu verwenden, ist mindestens ebenso debil, wie beispielsweise staatlich legitimierter Mord bei der Todesstrafe.
Und da jene Wählerherde eben erwiesenermaßen das Gedächtnis, das Gewissen und die Urteilsfähigkeit von fünf Meter Feldweg hat, sind es zum größten Teil die emotionalen Themen, über die dann die Wahlen entschieden werden. Und, liebe Leute, das weiß die aktuelle Regierung nur allzu gut. Deswegen ist der empörte Aufschrei dieser schwarz-gelben Verbrecher eine himmelschreiende Peinlichkeit.
Die Vorfälle in Japan führen uns allen nach nunmehr 25 Jahren erneut mit brutaler und erbarmungsloser Härte vor Augen, was wir hier eigentlich anrichten. Eine hochgefährliche Technologie zu verwenden, ist dabei noch gar nicht das Problem, sondern die Tatsache, dass die Menschen sich bei eben jener Verwendung schlicht auf Glück verlassen müssen. Die Technik hat viel zu viele gravierende Mängel hinsichtlich ihrer Sicherheit bei Störfällen und „unvorhersehbaren“ Vorkommnissen (Und da zähle ich ein Erdbeben in einer Erdbebenregion NICHT zu!).
Und jetzt geht das Geheule wieder los, dass es keine Alternative gibt zum Atomstrom, oder dass Strom dann unbezahlbar würde, wenn wir jetzt schnell ausstiegen.
Ja, ist denn bei diesen hirngefickten Vollidioten noch irgendwas zu retten?! „Only when the last tree has died and the last river been poisoned and the last fish been caught will we realize we cannot eat mone[y]“ (Wolf Robe Cree, Indian Chief). This!
Die Basis dieser völlig debilen Argumentation, dass es doch zu teuer sei, auf Atomstrom zu verzichten, ist so kreischend kurzsichtig, dass mir persönlich da wirklich überhaupt nichts mehr zu einfällt. Dass man so Spinnern überhaupt politische Verantwortung überträgt um im Sinne und zum Wohl der Allgemeinheit Entscheidungen zu treffen, kann von mir nicht mehr mit adäquaten Worten bespaßt werden.
Aber letzten Endes wird auch in dieser Sache wieder einmal die emotionale Stimmungslage des Wahlvolkes entscheiden. Und dass den Rektaltauchern der Atomlobby jetzt die Felle wegschwimmen, kann ich verstehen, denn die aktuelle Stimmungslage sieht nicht gut aus für sie. Vielleicht hat die Katastrophe in Japan ja wenigstens den Effekt, dass es endlich einen ersten Ansatz für globales Umdenken gibt. Zu Wünschen wäre es der Zukunft der Menscheit.

PS: und wenn ich dann solche Zombies wie Heiner Bremer höre mit seinem „die Grünen werden jetzt auf einer Welle der Angst reiten“, kommt mir echt das Frühstück wieder hoch.
Eigentlich wirds echt Zeit, mal ein paar Jahrhunderte Urlaub auf ’nem anderen Planeten zu machen. Das hält man ja echt nicht mehr aus. Wäre mal interessant, zu sehen, was danach hier noch übrig ist, außer gewaltigen Bunkern voller Geld unter einer restlos verstrahlten Oberfläche… -.-

+++ UPDATE +++

Da fielen aber gerade ein paar seeehr interessante Worte von unserer Mutti Bundeskanzlerin in der ARD. Bezüglich Sicherheit unserer AKWs und ihrem Amtseid und so. Wenn das mal nicht noch zerpflückt wird… Uiuiui

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