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Gepostet by on Jun 16, 2009 in Allgemein | Keine Kommentare

Lara – „Ohne meine Tochter“

Lara – „Ohne meine Tochter“

Lange Zeit habe ich mit mir gehadert, ob dieses Buch sinnvoll ist. Lange Zeit waren nicht nur meine Faulheit, sondern auch meine Sorge um eventuell neue Spannungen Grund für meine Zurückhaltung. Das Buch, das ich schreibe, um Licht in das verworrene Dunkel der Geschichte zu bringen, wird durch seine brutale Ehrlichkeit nicht nur die Schattenseiten meiner Person zeigen, sondern eben auch die der anderen Beteiligten.
Ich bin keinesfalls an Konflikten interessiert und möchte mit allem, was ich mache, sage und denke das harmonische Miteinander erreichen. In der Zeit seit Ende des gerichtlichen Verfahrens hat sich in mir der Glaube an das Gute und das Friedliche wieder die Oberhand erarbeitet. Ich war zuletzt wirklich überzeugt, es könne vielleicht eine Lösung geben. Eine Lösung, die für alle Beteiligten gütlich ist. Im Lichte diese Hoffnung habe ich meinen Plan, dieses Buch zu verfassen, beiseite geschoben, weil ich – wie bereits gesagt – keinesfalls alte Wunden öffnen oder irgendwelche Konflikte neu entfachen wollte.
Mein Glaube an das Gute hat mich leider getrogen. Die „Gegenseite“ hat meine Zuversicht und meinen Wunsch nach Harmonie höchst bedauerlicherweise nicht verdient.
Ich weiß mein Kind in den Händen von Menschen, die seit Jahren nur noch das allerschlechteste zeigen können. Und völlig ungeachtet der Tatsache, dass ich sie nur wenige Monate gesehen habe und auch bei ihrer Geburt leider nicht anwesend war, ist und bleibt Lara auch meine Tochter. Eine Tatsache, die mich zum jetzigen Zeitpunkt vor eine Ratlosigkeit stellt, deren Ausmaß ich derzeit nicht überblicken kann.
Was tut man, wie verhält man sich, was denkt man, was fühlt man, wenn man eine dreijährige Tochter hat. Ein Kind, für das man sein Leben geben würde. Ein Kind, das längst, schon nach wenigen Sekunden damals, mein gesamtes Herz erobert hatte. Ein Kind, das man auf eine sehr subtile Weise – kaum merklich manchmal – vermisst, sobald man morgens die Augen öffnet. Ein Kind, dem man alles geben möchte und es eben nicht kann, weil es seit Jahren fort ist. Unerreichbar fern, getrennt von mir durch die Sturheit, Bosheit und grenzenlose Dummheit mancher Menschen.
Das Wort „Verbitterung“ ist die Spitze des Eisberges dieses Gefühles, das in mir vorherrscht. Und es ärgert mich, weil dieses Gefühl pure Verschwendung ist. Ich bin nur so maßlos entzaubert sowohl von unserem Rechtssystem (vor dem Hintergrund des Prozesses, der darin enthaltenen Entscheidungen und vor allem ihrer haarsträubenden Begründungen), von der „Menschlichkeit“ vieler Beteiligter, die man hier bedauerlicherweise völlig vergeblich sucht und der eiskalten, glasklaren Gefühllosigkeit, die mir entgegenweht.
Ich schreibe dieses Buch. Sorgen um alte Wunden und neue Konflikte sind sowieso unsinnig, zumal Klärung immer Vorrang hat vor Verdrängen und Vergessen. Es können nur Konflikte wieder anschwellen, die nicht gelöst waren und in diesem Fall ist es erstrebenswert, sie zu lösen. Mir reicht’s. Das Fass ist nun übergelaufen.

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