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Gepostet by on Dez 2, 2008 in Bildung, Gesellschaft, Universität | Keine Kommentare

Der Bachelor! (of Arts)

Der Bachelor! (of Arts)

Nein, hier handelt es sich nicht um einen Möchtegern-Playboy, der in einer völlig sinnlosen TV-Serie einer Frau nach der anderen das Herz bricht, bis die billigste und gerissenste Zimtzicke von allen schließlich den Fisch am Haken hat. Es handelt sich um einen Studiengang. Einen? Nein, um ALLE Studiengänge. Denn um „international“ anerkannte Akademiker hervorbringen zu können, wurde eine unglaubliche Bildungsreform auch an deutschen Hochschulen durchgeführt. :crazy:
Naja, unglaublich dämlich! Unglaublich schwachsinnig und unglaublich kontraproduktiv ist dieser Schwachsinn, den sich weiß Gott welcher kranke Geist ausgedacht hat. Aber noch rede ich diesen verkrampften, möchtegern-innovativen Gedanken eines einheitlichen Bildungssystem nur schlecht. Aber ich will auch erklären, warum!<!–more–> Beginne ich also erstmal mit Erzählungen einiger etwas älterer Menschen, die ihr Diplom, ihren Magister und was weiß ich nicht für’n Abschluss schon vor zig Jahren gemacht haben. Einige meiner Dozenten und Professoren haben uns Studenten erzählt, dass es früher üblich war, dass man ein Semester lang studierte und das nächste Semester dann arbeiten ging um sich damit (kombiniert mit dem BafÖG) das nächste Semester, welches man wieder zum studieren nutze, finanzieren zu können. Viele schafften es auch locker während des Studiums zu arbeiten. Auch wenn sich die Studienzeit hierdurch ein wenig verlängerte. Machte nichts. Schön und gut, jetzt kommt der Bachelor. Die erste gravierende Veränderung ist die Regelstudienzeit. Umfasste ein Diplom- oder Magisterstudiengang früher (je nach Studienfach) 8 bis 12 Semester Regelstudienzeit sind heute ALLE, ausnahmslos ALLE Bachelorstudiengänge auf exakt sechs Semester beschränkt. Ja richtig. SECHS! Ha! Denkt man sich… Toll, bin ich früher fertig. Denkt man sich, wenn man keine Ahnung hat. Denn am Inhalt hat sich NICHTS geändet. GAR NICHTS. Der heutige Student, der sich in den Bachelor-Einheitsbrei pressen lässt, muss den Stoff, den man früher in vier bis sechs Jahren lernen konnte, heute in drei Jahren schaffen! Was heißt, dass man während des Studiums so unglaublich wenig Zeit hat, dass es beinahe unmöglich ist zu arbeiten. Nimmt ein Student nun den überaus dreisten Wunsch nach ein wenig Freizeit ernst und schafft sich zwei bis drei Stunden Spaß in der Woche, hat es sich auch mit dem Arbeiten erledigt! Hinzu kommt, dass es dem Studenten, mit der Struktur des BA, ebenfalls unmöglich gemacht wird im Jahresrythmus ein Semester zu arbeiten und das andere Semester zu studieren. Denn in den allermeisten BA-Studiengängen bauen die Kurse, die man zu belegen hat, im Jahresrythmus aufeinander auf. Was man im Wintersemester(WS) beginnt, muss man im Sommersemester(SS) erfolgreich beenden. Wenn nicht, heißt es ein WS Leerlauf, um im SS nen zweiten Anlauf zu starten –> EIN JAHR VERLOREN! Herzlichen Glückwunsch, sie haben die Prüfung nicht bestanden, Ihr Studium hat sich soeben um ein Jahr verlängert. Schade nur, dass das BafÖG-Amt oder andere Studienkreditgeber nach einer sehr knapp bemessenen Zeit bereits einen Leistungsnachweis einfordern, da es sonst kein Geld mehr gibt. Hmm das Geld, da war doch was. Arbeiten ging ja nicht mehr. Naja, zumindest nicht unter humanen Bedingungen. Aber welcher Student braucht schon humane Bedingungen. Die haben doch alle ein sooo schönes Leben… |-| – Wers glaubt… (war noch nie ein BA-Student!)
Ok, den gemeinen BAler plagt also ein unglaublicher Leistungsdruck, gepaart mit einer immensen Menge Stoff, da der gesamte Studienplan im Schnitt von fünf auf drei Jahre komprimiert wurde. Was jetzt noch hinzu kommt ist noch nicht die Krönung, aber trotzdem so übermäßig unfassbar, dass man den hirnverbrannten Schwachmaten, der sich diese gequirlte Scheiße ausgedacht hat am liebsten dazu zwingen würde seine eigene BA-Kotze selbst zu studieren. Und zwar in den vorgegeben drei Jahren, sonst Kopf ab!!! Das sogenannte Studium-universale… Klingt geil, oder? Wenns nicht so unglaublich traurig wäre, würde ich glatt drüber lachen. Sinn ist es, dass der Student auch mal über seinen Tellerrand hinausschaut und andere Fachgebiete kennen lernt. Das Studium-universale sieht vor, dass der gemeine BA im Laufe seines Studiums insgesamt 18 Semesterwochenstunden (SWS) in völlig fachfremden Kursen zusammenträgt. 18 SWS… über das gesamte Studium verteilt klingt nicht viel. Ist es aber, wenn man unter BA-Bedingungen studiert. Das sind 6 SWS pro Jahr. Wobei das letzte, das sechste Semester dafür vorgesehen ist, dass der Student seine Bachelor-Arbeit schreibt. Man muss nun also 18 SWS auf zweieinhalb Jahre verteilen. Neun Kurse, die man in Fachfremden Fächern belegen muss. Soll heißen, der Biologe muss sich also Vorlesungen in Philosophie, BWL oder Informatik anhören, bzw. angucken. Er muss mitarbeiten. Ein Referat, ein Stundenprotokoll, oder im schlimmsten Fall eine ganze Hausarbeit dazu erarbeiten, da ihm der Kurs sonst nicht angerechnet wird. Eine Vorlesung in Philosophie hört sich jetzt gar nicht mal so schlimm an. Aber die Philosophie, die man vielleicht mal an der Schule kennen gelernt hat, hat nichts mit der Philosophie zu tun, die an der Uni gelehrt wird. Die Vorlesungen in Sachen Logik (gehören zur Philosophie) gleichen einer Jahrgangsstufe 13 Mathe LK Stunde in gehobenem Niveau! Und so muss sich ein Germanistik-Student mit 50 verschiedenen Krebssorten innerhalb eines einzigen Semesters auseinandersetzen, wenn er nur zwei der geforderten 18 SWS zufällig in Medizin absolvieren will. Pardon, MUSS!
Über den Tellerrand hinausschauen… Nette Idee, nur leider völlig in den Sand gesetzt. Denn jeder Student, der sich einigermaßen auf sein Hauptfach konzentriert, nimmt diese Kurse mal eben kurz mit, hält ein schlampiges Referat, das zu Schulzeiten, siebte Klasse, höchstens ein mangelhaft verdient hätte und vergisst den gesamten Inhalt dieses Kurses, sobald er seine Pflicht getan und einen sinnlosen Schein ergattert hat.
Hier kommen jetzt noch diverse Sonderregelungen hinzu, die jede Uni wohl gesondert handhabt. Allesamt sinnfreier, als die andere.

Die eigentliche Krönung, die jetzt noch dem BA folgt, sind die Studiengebühren und was die Universitäten daraus machen… Hier kann ich nur von der Uni Düsseldorf berichten. Und da mir bei diesem Thema echt schon die Lust am Sarkasmus vergeht, kommt nur eine Aufzählung der Unglaublichkeiten, die ich so mitbekommen habe.
Derzeit sieht es bei den Erstsemestern an der Philosophischen Fakultät so aus, dass Kurse, die mit 120 Studenten als Maximum bemessen sind, mit über 300 Studenten belegt sind. Die bringen ja schließlich alle Geld.
Gleichzeitig fließen 80% … 80 !!!! % ALLER eingenommenen Studiengebühren an die medizinische Fakultät, die mit einem enormen NC versehen ist und somit nur sehr, sehr wenige Studenten führt.
Weiterhin werden jetzt von den Studiengebühren Kontrolleure finanziert, die durch die Hörsääle spazieren und die dort anwesenden Studenten auf einen gültigen Studentenausweis mit gültigem Personalausweis kontrollieren. MITTEN IN DEN VORLESUNGEN!
Hat einer eines von beidem gerade zufällig nicht dabei, muss er gehen. Hat sogar mit Polizei zu rechnen.
Gleichzeitig werden Lehrstellen gestrichen. Die Aufzüge in der Philosophischen-Fakultät stehen seit Jahren still. Es sind immer nur ein paar wenige betriebsbereit, damit die Rollstuhlfahrer z.B. wenigstens irgendwo die Etagen wechseln können. Und die Mediziner haben kürzlich ein funkelnagelneues Kühlhaus für ihre Leichen bekommen, an denen sie herum doktorn können.

Bildungsnotstand an deutschen Universitäten… Und da wundern sich auf einmal die Politiker, dass wir mehr Akademiker brauchen, als wir haben. Vielleicht bewegen sich alle Bachelorstudenten demnächst wirklich auf dem Niveau der gleichnamigen Fernsehsendung.

Ein Hoch auf die internatinale Anerkennung!

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