Pages Menu
Twitter
Categories Menu

Gepostet by on Jun 27, 2012 in Ausraster, Gesellschaft, Gesundheit, Hintergrund, Politik, Religion | Keine Kommentare

Beschneidung ist strafbar – die Reaktionen

Beschneidung ist strafbar – die Reaktionen

Ein delikates Thema. Ich erinnere mich, wie uns in Ethnologie-Seminaren die holistische und wertneutrale Betrachtung von Kulturen gepredigt wurde. Immer orientiert an dem Reizthema „Beschneidungen“. Und das scheint ein Thema ohne Kompromiss. Ein Thema ohne Brücke. Nur zwei Seiten und dazwischen ein tiefer Graben. Die einen argumentieren, man solle doch Kulturen sich selbst überlassen, nicht werten, nicht urteilen. Wenn eine Kultur es sich zu Eigen gemacht hat, ihre jungen (meist) Mädchen zu verstümmeln… pardon… zu beschneiden, dann solle man das eben zu deren Wert-Identität zählen. Die anderen argumentieren, man solle – egal, wo man ist – die Menschenrechte verteidigen. Eine Zwischenlösung scheint es nicht zu geben. Kann es irgendwie nicht.
Aber bei allem missionarischen Eifer, ist – meiner Meinung nach – eine Tatsache ganz klar. Wenn man vielleicht kontrovers diskutieren kann, ob es angemessen ist, wenn „westlich“ geprägte Menschen ihre Wertvorstellungen in der Welt verbreiten – zum Beispiel in Regionen, in denen Kulturen vorherrschen, die eben tatsächlich ihre Kinder verst… beschneiden – so sollte doch eines glas klar sein: dass man im eigenen Land seine eigenen Wertvorstellungen durchsetzen darf. Und das beinhaltet für dieses Land hier, dass – und das war lange überfällig – die körperliche Verstümmelung von Kindern (völlig egal, aus welchem Grund) strafbar ist!
Jetzt ereifern sich wie auf Kommando all jene Vertreter dieser völlig pervertierten Religionsversionen, deren ureigene Wertvorstellung eben jene körperliche Verstümmelung an Kindern beinhaltet. Sie fühlen sich in ihrer Religionsfreiheit eingeschränkt. Und hier reicht’s wirklich, denn irgendwo muss man auch mal aufhören. Ich persönlich stelle die Menschenrechte über jede Religionsfreiheit. Und ich bin gerade ausnahmsweise mal überglücklich, in einem Land zu leben, wo diese Wertvorstellung glücklicherweise vorherrschend ist. Die freie Ausübung eines Glaubens und das Schützen dieser Freiheit ist eine sehr hohe und sehr wertvolle kulturelle Errungenschaft, für die die Menschen und all ihre Vorfahren lange kämpfen mussten. Dieser Kampf ist noch lange nicht vorbei, denn noch immer existieren Diskriminierung und Dummheit in unserer Mitte. Aber man darf den Bogen auf keinen Fall überspannen. Und deswegen gilt für alle Anhänger welcher Religion auch immer, die das Glück haben, der Offenheit, Herzlichkeit und Toleranz unserer Kultur zu begegnen und davon zu profitieren nun eines: wer seine Religion in diesem Land frei ausüben möchte, darf sich gewiss sein, dass er vor Diskriminierung und Verfolgung geschützt ist. Aber er hält sich gefälligst an die Menschenrechte. Und wer das nicht kann, der ist hier fehl am Platz! Und genau das ist jetzt gesetzlich verankert worden. Und das ist ein sehr guter Schritt!

Weiteres wundert mich in diesem Zusammenhang: verschiedene Verbände beklagen jetzt, dass diese Kriminalisierung von Eltern, die ihre Kinder trotzdem verstümmeln wollen, dazu führen könnte und wird, dass mehr Eingriffe von unautorisierten Personen durchgeführt werden und somit die Gefahr für die Gesundheit von Kindern eher erhöht als verringert wird. Also erstens ist das ein saudummes Argument, das vor Selbstherrlichkeit und Verantwortungslosigkeit nur so strotzt und ebenso kurzsichtig wie beschränkt ist. Glaubte man diesem Argument, wäre es also besser, Eltern die Verstümmelung ihrer Kinder weiterhin zu erlauben, um diese vor körperlichem Schaden zu bewahren?! Außerdem manifestiert sich hier eine beispiellose Arroganz und Faulheit. Wenn diesen Verbänden tatsächlich etwas daran gelegen ist, die Gesundheit der Kinder ihres Religionskreises zu schützen, wäre die erste logische Handlung, Programme zu initialisieren, die die Eltern aufklären. Selbst tätig werden, sich mal selbst um die eigenen „Schäfchen“ kümmern. Das wirkt wesentlich souveräner, als dieses hohle, undurchdachte Gemecker.

Ich sehe hier leider oft geballte Engstirnigkeit und die kategorische Weigerung, sich unserem Wertesystem anzupassen. Und unter diesen Voraussetzungen halte ich eine Eingliederung für nicht möglich. Das könnte wirklich noch zu sehr großen Problemen führen in unserer Gesellschaft und bisher vermisse ich bei allen hier relevanten Parteien ein Programm zum wirklich sinnvollen und zukunftsfähigen Umgang mit diesem Problem. Denn es ist ein Problem und je länger wir uns nicht trauen, ganz ehrlich hinzusehen, wird es immer schlimmer!

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: